Kann Doktor Google bei seelischen Problemen weiterhelfen?

Bei körperlichen Beschwerden vertrauen viele ihre Symptome zuallererst der Suchmaschine an. Doch auch bei seelischen Problemen ist es sehr einfach, mehr Informationen und Tipps von Dr. Google zu erhalten. Schnell sind die Symptome eingegeben und augenblicklich sind eine Vielzahl von Informationen und Ratschläge verfügbar. Doch ist es überhaupt ratsam gerade bei seelischen Problemen und psychologischen Fragen Dr. Google zu konsultieren? Eine zu rasch gestellte Selbstdiagnose kann besonders bei seelischen Leiden negative Folgen haben. Jedoch bietet das Internet auch viel Hilfreiches für die Selbsthilfe und Ratsuchende können schnell Unterstützung erhalten. Dabei ist es aber wichtig zu wissen, wie man mit dem enormen Informationsangebot richtig umgeht.

Informationssuche im Netz ersetzt nicht den Experten

Wer bei seelischen Problemen auf Ratschläge oder Beratungsangebote im Internet zurückgreift muss sich in erster Linie bewusst machen, dass diese den Gang zum Mediziner, Psychologen oder Psychotherapeuten nicht ersetzen können. Besonders bei komplizierten oder akuten Problemen ist auf die Hilfe aus dem Netz kein Verlass. Leider ist es aber auch oft der Fall, dass aufgrund von Scham oder Angst die Unterstützung aus dem Netz der Hilfe von Experten vor Ort vorgezogen wird. Man sollte sich bei der Heranziehung von Hilfe aus dem Netz Folgendes bewusst machen: Informationen und psychologische Beratungsangebote aus dem Internet sollen nur der ersten und allgemeinen Orientierung oder der zusätzlichen Unterstützung einer professionellen Begleitung dienlich sein.

Der richtige Umgang mit Informationen verhindert Cyberchondrie

Bei Problemen seelischer Natur spricht nichts gegen eine Informationssuche im Internet. Dabei sollte man aber den Informationsgehalt immer kritisch hinterfragen. Problematisch kann es auch sein, wenn dem Internet mehr Glauben geschenkt wird als dem Experten vor Ort. Besonders wichtig ist dies bei seelischen Beschwerden. Hier ist es aufgrund der komplexen Zusammenhänge für den Betroffenen oft schwer, sich ein objektives Bild über seinen Zustand zu verschaffen. Im schlimmsten Fall kann es durch die vermehrte Beschäftigung mit den eigenen Problemen und emotionalen Thematiken zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes kommen. Besonders ängstliche Menschen, die zur Hypochondrie neigen, finden bei der Informationssuche im Netz schnell den passenden Beweis für ihre schlimmsten Vermutungen. So ist es nicht selten der Fall, dass sich diese Personen nach der Befragung von Dr. Google schlechter fühlt als zuvor. Für dieses Phänomen benutzt man in Expertenkreisen bereits das neu erfundene Fachwort „Cyberchondrie“.

Besonderes Augenmerk auf Seriosität setzen

Bei der Auswahl von Informationen im Internet sollte deshalb immer darauf geachtet werden, dass man es mit einem seriösen Anbieter zu tun hat. Ob es sich um ernstzunehmende und hilfreiche Inhalte handelt, merkt man beispielsweise daran, dass sich Online-Anbieter bemühen, einem bestimmten seelischen Thema sensibel zu nähern. Stehen lediglich plakative Versprechen, unglaubwürdige Erfolgsgeschichten oder Kaufaufforderungen im Vordergrund, sollte von dem entsprechenden Informationsanbieter im Netz Abstand gehalten werden.

Vor- und Nachteile von Foren, Communities und der Online-Beratung

Neben dem klassischen Angebot von Informationen zur Bewältigung besonderer Lebenssituationen, beispielsweise in Fachlexika oder auf Gesundheitsportalen, bietet das Internet außerdem zahlreiche Communities zu den unterschiedlichsten Themen und Problembereichen. Neben klassischen Foren bestehen auch professionell moderierte Selbsthilfegruppen im Netz. Einen besonderen Mehrwert bilden sogenannte Ratgeber-Communities. In diesen Communities kann jeder seine Fragen stellen und von der Lebenserfahrung und dem Wissen der anderen profitieren. So entsteht eine Wissensbasis, die auch für andere nützlich sein kann. Abseits dieser Communities besteht auch die Möglichkeit der persönlichen Online-Beratung. Diese Angebote der psychologischen Lebensberatung werden je nach Anbieter kostenfrei, zum Teil aber auch kostenpflichtig angeboten.

Wie sich gezeigt hat, sollte man verantwortungsvoll mit den Informationen zur Bewältigung seelischer Probleme von Dr. Google umgehen. Jedoch ist es unumstritten, dass das Internet viele wertvolle Quellen, die Menschen bei der Überwindung ihrer Probleme und Sorgen unterstützen können, bietet. Das reichliche Angebot an Informationen ermöglicht Betroffenen einen selbstverantwortlichen und selbstfürsorglichen Umgang mit ihrer Situation. Die zusätzliche Unterstützung durch Communities kann sich positiv auf die Problembewältigung auswirken. Somit ist das Internet eine wichtige und unabdingbare Quelle der Hilfe zur Selbsthilfe.


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2 Kommentare zu Kann Doktor Google bei seelischen Problemen weiterhelfen?

  1. Urs 24. Februar 2012 at 10:25 #

    Also ich bin da generell sehr vorsichtig mit den Infos aus dem Internet. Ich hab mich da mal ziemlich reingesteigert und danach ist es nur viel schlimmer geworden. Also Vorsicht und lieber einen Fachmann aufsuchen!

  2. Rita Clarin 12. Juni 2012 at 22:26 #

    Spannendes Thema. Im Praxisalltag bekomme ich mit, dass zu Gesundheitsfragen immer öfter gegoogelt wird. In den vielen Fällen empfinde ich das als Bereicherung, da die Patienten mit einem Grundwissen kommen. Schwierig wird es, wenn bestimmte Krankheitsbilder selbstdiagnostiziert werden und der Therapeut diese nur noch bestätigen soll (besonders schwierig stelle ich mir das im psychologischen Bereich vor). Patienten rate ich grundsätzlich kritisch mit Informationen aus dem Internet zu sein. Den Begriff Cyberchondrie kannte ich bislang noch nicht, werde ihn mir aber auf jeden Fall merken.
    Gruß, Rita

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