Wie Sie Schuldgefühle überwinden

Schuldgefühle

Das Gefühl der Schuld belastet die Seele – Bild: © kmiragaya – Fotolia.com

Tagtäglich gibt es viele kleine Anlässe, zu denen uns Schuldgefühle plagen. Dabei muss es gar nicht mal um größere Vergehen gehen: Schon kleinere Patzer, Missgeschicke und Vergesslichkeit reichen aus, dass wir uns Selbstvorwürfe machen oder ein schlechtes Gewissen haben. Zu den kleinen Alltagspannen, für die wir uns kasteien gesellen sich gelegentlich auch große Entscheidungen und Fehler, die zu besonders starken Schuldgefühlen führen. Ob kleine Patzer oder große Fehlentscheidungen – Schuldgefühle belasten die Seele und ziehen im Übermaß unangenehme Folgen nach sich. In diesem Artikel erfahren Sie mehr über das Gefühl der Schuld. Außerdem erhalten Sie hilfreiche Tipps, die helfen sollen, Schuldgefühle zu überwinden beziehungsweise zu vermeiden.

Folgen von Schuldgefühlen

Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen zeigen uns an, dass wir einen Fehler begangen haben oder etwas getan haben, das unseren eigenen Wertvorstellungen widerspricht. Uns einen entsprechenden Vorwurf zu machen, kann bis zu einem gewissen Grad also auch hilfreich sein, etwa um unser Verhalten zu verändern oder uns angemessen zu entschuldigen. Anders sieht es jedoch mit übermäßigen oder falschen Schuldgefühlen aus oder wenn wir unsere Schuldgefühle nicht rechtzeitig loslassen. Diese belasten dann die Seele, mitunter so sehr, dass eine Depression folgt. Auch der Körper reagiert auf die Verspannung, die wir durch die vielen Selbstvorwürfe entstehen lassen: Magenschmerzen, Herzrasen, Muskelverspannung, ständiges gereizt sein – die Folgen sind bei jedem unterschiedlich. Unter den ständigen Selbstvorwürfen leidet auch das Selbstbewusstsein, was zu Versagensängsten und Passivität führen kann.

Ursachen für Schuldgefühle

Oft ist die Ursache für übermäßige Schuldgefühle, die nicht losgelassen werden, nicht die tatsächliche Schuld, sondern ein großer Perfektionismus und mangelndes Selbstbewusstsein. Häufig leiden Menschen auch unter der Moral, die ihnen ihre Eltern vermittelt haben, die sie selbst jedoch nicht mehr für angemessen und umsetzbar halten – handeln sie dann nach ihrem eigenen Willen, meldet sich oft unbewusst das schlechte Gewissen gegenüber den eigenen Eltern und ihrer Erziehung. Hinter den vielen Selbstvorwürfen, vor allem im Alltag, steckt auch der Drang perfekt sein zu wollen und eine zu starke Verurteilung eigener – selbst kleiner – Fehler. Wer die Ursachen für seine eigenen Schuldgefühle kennt, kann diese besser verarbeiten, nach seinen eigenen Regeln und Moralvorstellungen leben und ein gesundes Maß zwischen Bereuen und Loslassen finden.

Wie man seine Schuldgefühle überwindet

Mit den folgenden Tipps kann man Schritt für Schritt lernen, loszulassen und nach vorne zu schauen:

Verantwortung für Fehler übernehmen: Wenn wir einen Fehler machen, hilft es nicht davor davonzulaufen, denn das schlechte Gewissen holt uns auf irgendeine Weise wieder ein. Für die eigenen Fehler sollte deshalb gerade gestanden und die Verantwortung übernommen werden. Dabei sollte man jedoch nicht den Fehler auf die eigene Persönlichkeit beziehen. Gedanken wie „Mir ist das passiert, weil ich dumm, faul, vergesslich oder nutzlos bin“ sind fehl am Platz. Der Fehler sollte vielmehr in dem konkreten Zusammenhang bewertet werden, in dem er passiert ist: „Ich habe eine Mahnung bekommen, weil ich die Rechnung nicht gezahlt habe. In Zukunft werde ich Rechnungen sofort zahlen um diesen Fehler zu vermeiden“. Mit diesem Gedankengang räumt man ein, einen Fehler gemacht zu haben ohne ihn zu persönlich zu nehmen und blickt optimistisch in die Zukunft.

In die Zukunft blicken: Typisch für Selbstvorwürfe ist der Blick in die unmittelbare Vergangenheit. Wir werfen uns vor, was wir hätten besser machen können, sobald die Handlung nicht mehr rückgängig zu machen ist und wir einen Fehler bemerken. Menschen lernen aus der Vergangenheit, aber nicht, wenn sie in ihr verharren, sondern sie konkret auf die Zukunft beziehen. Statt stundenlang darüber nachzudenken, was man hätte besser machen können, sollte man seine Energie darauf verwenden zu formulieren, was man aus dem Verhalten gelernt hat und was in Zukunft besser werden soll – die Aussagen werden auf einem Zettel notiert um sie nicht zu vergessen.

Unvollkommenheit akzeptieren: Niemand ist perfekt. Auch wenn wir das wissen, gestehen wir es uns selbst oft nicht zu. Um übermäßige Schuldgefühle und Versagensängste zu verhindern, sollten wir jedoch lernen die Unvollkommenheit zu akzeptieren und in manchen Fällen sogar als liebenswert zu betrachten. Schon durch die aufrichtige Aussage: „Ich mache Fehler wie jeder andere auch, weil ich nicht perfekt bin“ lässt uns einen Stein vom Herzen fallen. Jeder einzelne hat unterschiedliche Macken – ist vergesslich, unpünktlich, unkonzentriert oder kann schlecht mit Geld umgehen. Man sollte diese Macken als nicht zu verurteilenden Charakterzug annehmen, an dem es Schritt für Schritt zu arbeiten gilt.

Moralvorstellungen in Einklang bringen: Um sich selbst gerecht zu werden, ist es wichtig seine eigenen Regeln aufzustellen und die eigene Moral zu formulieren. Oft haben wir durch unsere Erziehung oder die Gesellschaft Werte und Maßstäbe verinnerlicht, die nicht mehr unserem Naturell entsprechen. Natürlich gibt es allgemein gültige Gesetze und Werte, an die sich jeder halten sollte. Darüber hinaus gibt es jedoch Regeln und Werte, die nicht jeder annehmen muss. Wer herausfindet und klar formuliert, nach welchen Regeln er handeln möchte, kann mitunter falsche Schuldgefühle herausfiltern.

Mit diesen vier Tipps und Gedankenanstößen kann Schritt für Schritt daran gearbeitet werden, einen eigenen Standpunkt zu finden und Schuldgefühle rechtzeitig loszulassen. Ziel ist, eine angemessene Balance zwischen Bereuen und Loslassen zu finden.


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