Depression – Symptome, Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Depression

Depressionen verstehen & überwinden – Bild: © Photographee.eu

„Davon wird man ja depressiv!“ – wie leicht ist dieser Satz dahingesagt – meistens von jemandem, der es selbst niemals war und sich nicht im Geringsten vorstellen kann, was Depressionen für Betroffene bedeuten. Dass die Gedanken und die Stimmung permanent negativ sind, dass jegliche Lebensfreude verloren geht. Dass es in schlimmen Fällen kaum noch möglich ist, das Haus zu verlassen und die einfachsten Dinge des Alltags zu verrichten.

Depressionen entwickeln sich immer mehr zur Volkskrankheit Nr. 1. Und sie können jeden treffen – unabhängig von Alter, Geschlecht, Lebensstandard oder sozialen Umständen. Selbst Kinder können bereits diese Diagnose bekommen. Höchste Zeit, einmal genauer zu beleuchten, was die Ursachen und Symptome von Depressionen sind, wie man ihnen vorbeugen und wie man sie behandeln kann. Denn eine Depression ist im allerschlimmsten Fall eine tödliche Krankheit.

Was ist eine Depression?

Jeder von uns ist einmal traurig, jeder hat hin und wieder Kummer und Sorgen. Das ist völlig normal und kein Grund zur Besorgnis. Ernst wird es, wenn die Traurigkeit zum Dauerzustand wird, wenn man sich ständig leer und hoffnungslos fühlt und sein Leben und die Zukunft nur noch schwarz sieht. Dann sprechen wir von einer Krankheit – der Depression.

Das Wort Depression kommt vom lateinischen Wort „deprimere“, was so viel wie „nach unten drücken“ oder „niederdrücken“ bedeutet. Eine Depression ist also ein Zustand temporärer oder dauerhafter psychischer Niedergeschlagenheit. Der Depressive verliert immer mehr an Lebensmut und -freude und hat früher oder später an nichts mehr Interesse. Oft geht eine Depression mit einer Angsterkrankung einher. Das bedeutet, Betroffene leiden unter Ängsten und Panikattacken, haben oft vor simplen Dingen wie einem Einkauf im Supermarkt unüberwindliche und irrationale Ängste. In besonders schlimmen Fällen sind Depressionskranke irgendwann in ihren eigenen vier Wänden gefangen und sehen sich außerstande, irgendwelchen Aktivitäten nachzugehen.

Oft finden Betroffene wenig Verständnis und Unterstützung in ihrem Umfeld. Im Gegenteil – Sätze à la „Nun stell Dich mal nicht so an!“ oder „Glaubst du, ich habe es immer leicht?“ oder „Nun sieh das doch einfach mal positiv!“ sind garantiert nicht hilfreich, im Gegenteil, sie verstärken das Gefühl von Minderwertigkeit.

Was sind die Symptome einer Depression?

Depressionen äußern sich in irrationalen Ängsten, z.B. Zukunfts- und Existenzängsten, ständiger Traurigkeit, Schlafstörungen und Desinteresse an Mitmenschen und jeglichen Aktivitäten. Sie fühlen sich leer, wertlos und ohne Hoffnung. Viele leiden unter Appetitlosigkeit – einige aber auch unter dem Gegenteil – nämlich unkontrollierten Essanfällen.

Depressionskranke neigen zur Abhängigkeit von Alkohol und/oder Medikamenten. Wobei hier oft nicht zwischen Ursache und Wirkung unterschieden werden kann – Depressionen können zu Alkohol- bzw. Drogensucht führen; andererseits ist eine Abhängigkeit von bestimmten Substanzen häufig auch der Auslöser von Depressionen.

Im allerschlimmsten – wenn auch seltenen Fall – kann eine Depression tatsächlich zu einem Suizidversuch oder sogar zu einem „erfolgreichen“ Suizid führen.

Fast immer äußern sich Depressionen in mehreren der genannten Symptome. Hier noch einmal mögliche Symptome im Überblick:

  • ständiges Gefühl von Traurigkeit und Niedergeschlagenheit
  • Antriebslosigkeit und Desinteresse
  • gestörtes Essverhalten (Appetitlosigkeit oder unkontrollierte Essanfälle)
  • Gefühl von Leere und Hoffnungslosigkeit
  • Gefühl, wertlos zu sein
  • Angst- und Panikgefühle
  • Zukunfts- und Existenzangst
  • Neigung zu Alkohol- und Medikamentenmissbrauch
  • in seltenen Fällen: Selbstmordgedanken bis hin zum Selbstmord(versuch)

Wer diese Symptome an sich feststellt, sollte sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein erfahrener und einfühlsamer Psychologe* wird die Diagnose stellen und die richtige Behandlung in die Wege leiten.

Was sind die Ursachen von Depressionen?

Die Ursachen von Depressionen können sowohl im körperlichen als auch im psychischen Bereich zu finden sein. Meist ist es eine Mischung aus physischen und seelischen Störungen, die zu einer Depression führt.

Körperliche Ursachen

Es ist sehr schwer, eine Depression auf eine physische Krankheit oder Störung zurückzuführen, denn es können die verschiedensten organischen Erkrankungen oder Beschwerden Depressionen verursachen; und meistens befinden diese sich in Körperregionen, die man mit einer psychischen Krankheit auf den ersten Blick gar nicht in Zusammenhang bringen würde.

Oder hätten Sie gedacht, dass eine gestörte Darmflora oder eine Entzündung des Darms zu Depressionen oder Angsterkrankungen führen können? Und doch ist es genau so – Tierversuche haben dies eindeutig gezeigt.

Die wohl häufigste körperliche Ursache ist wohl eine Störung des Gehirnstoffwechsels. Dadurch kommt es zu einem Mangel der Glückshormon Serotonin und Dopamin – Ängste und Depressionen sind nicht selten die Folge.

Ebenfalls gibt es eine genetische Disposition, an einer Depression zu erkranken. Studien haben gezeigt, dass Depressionen gehäuft innerhalb einer Familie auftreten. So steigt das Risiko einer Erkrankung um etwa 15 %, wenn ein Angehöriger ersten Grades ebenfalls davon betroffen ist.

Physische Ursachen für Depressionen können außerdem sein:

  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Diabetes
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Zahnentzündungen
  • Mangelerscheinungen, besonders Mangel an B-Vitaminen* und Vitamin D*
  • chronische Schmerzen

Seelische Ursachen für eine Depression

Auch im seelischen Bereich können Depressionen die unterschiedlichsten Ursachen haben. Oft liegen sie bereits in der frühen Kindheit begründet. Eine gestörte Eltern-Kind-Beziehung kann ebenso eine Erkrankung verursachen wie der frühe Verlust eines Elternteils. Mögliche Ursachen sind traumatische Erlebnisse wie Gewalt oder sexueller Missbrauch in der Kindheit. Aber auch das Gegenteil – eine Überbehütung durch die Eltern kann zu Verhaltensstörungen und später zu Depressionen und Ängsten führen.

Im Erwachsenenalter kommt es zu einer psychischen Erkrankung oft durch ein negatives Erlebnis oder eine belastende Situation. Das kann drohende Arbeitslosigkeit bzw. der tatsächliche Verlust des Arbeitsplatzes sein, eine Scheidung bzw. Trennung oder der Verlust eines geliebten Angehörigen. Erwiesenermaßen ist auch, dass dauerhafter Stress eine häufige Ursache für Depressionen ist.

Wann ist eine Behandlung zu empfehlen?

Depressionen können Menschen in jedem Alter und in jeder Lebenssituation treffen. Sie sind die häufigste psychische Krankheit, hierzulande leiden mittlerweile etwa 4 Millionen Menschen an einer Depression. Die meisten Menschen, die ihrem Leben ein Ende setzen, tun dies aufgrund einer Depression.

Meist kommt man mit einer solchen Krankheit nicht allein zurecht. Spätestens, wenn die Symptome nach einigen Wochen nicht verschwunden bzw. noch stärker geworden sind, ist unbedingt ein Arzt zu Rate zu ziehen. Dieser wird die richtige Diagnose stellen und die entsprechende Behandlung einleiten.

Wenn Sie sich in den Symptomen wiedererkennen, dann scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe zu holen! Falscher Scham ist hier fehl am Platze. Betroffene schämen sich oft, über ihre psychischen Probleme zu sprechen, da sie Ausgrenzung und Stigmatisierung durch ihr Umfeld befürchten. Aber: Dauerhafte unbehandelte Depressionen wirken sich immer stärker auf das ganze Leben aus – dies gilt sowohl für den privaten als auch den beruflichen Bereich. Nicht selten ist ein Ausüben des Berufs nicht mehr möglich, was früher oder später zum Verlust des Arbeitsplatzes und damit zur Gefährdung der Existenz führt. Also – nicht zögern, sondern Hilfe annehmen! Denn: Je eher eine Depression erkannt wird, umso besser stehen die Chancen auf Heilung.

Wie erfolgt die Diagnose einer Depression?

Wenn Sie die Befürchtung haben, an einer Depression erkrankt zu sein, sollte Ihr erster Ansprechpartner zunächst Ihr Hausarzt sein. Dieser wird sie auf mögliche körperliche Ursachen untersuchen und ein Erstgespräch zu eventuellen seelischen Ursachen führen. Er könnte Sie beispielsweise fragen:

  • Leiden Sie unter Schlafstörungen?
  • Haben Sie sich in den letzten Wochen außergewöhnlich oft traurig und niedergeschlagen gefühlt?
  • Fällt es Ihnen schwer, sich zu konzentrieren?
  • Haben Sie in letzter Zeit auffallend weniger oder mehr Appetit?
  • Sind sie oft müde, antriebs- und kraftlos?
  • Haben Sie Angst vor der Zukunft?
  • Leiden Sie an Schuldgefühlen und Selbstzweifeln?

Anschließend wird der Hausarzt einige Untersuchen durchführen, um körperliche Ursachen einer Depression feststellen oder ausschließen zu können. Dazu gehören eine Blutuntersuchung, da ja ein zu niedriger Blutzuckerspiegel (Diabetes), eine Schilddrüsenerkrankung oder ein Vitaminmangel zu psychischen Veränderungen bis hin zu Depressionen führen können. Eventuell ist auch eine Computertomographie (CT) notwendig, um Veränderungen im Gehirn oder eine Demenz ausschließen zu können.

Wenn sich der Verdacht auf eine Depression bestätigt, wird Ihr Hausarzt Sie an einen Psychotherapeuten, einen Psychiater oder auch an eine Spezialklinik überweisen. Die auf psychische Erkrankungen spezialisierten Ärzte werden einen individuellen Behandlungsplan erstellen.

Diagnose einer Depression in drei Stufen – was ist das ICD-10?

Grundlage für die Diagnose einer Depression ist in Deutschland das Klassifizierungssystem ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme). Nach diesem System stützt sich die Diagnose der Depression auf drei Hauptsymptome, und diese sind:

  • Antriebslosigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Verlust von Interessen

sowie sieben zusätzliche Symptome, darunter z.B.:

  • Konzentrationsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Schuldgefühle

Aufgrund des Vorliegens bzw. des Ausgeprägtseins dieser Symptome lassen sich Depressionen in drei verschiedene Schweregrade einteilen. Und diese sind:

  1. Eine leichte Depression liegt vor, wenn über einen Zeitraum von mindestens 14 Tagen über mindestens zwei Haupt- und zwei Zusatzsymptome geklagt wird.
  2. Eine mittelschwere Depression wird diagnostiziert, wenn der Betroffene über mindestens 14 Tage zwei Haupt- und drei oder vier Nebensymptome zeigt.
  3. Leidet der Patient während mindestens 14 Tagen an sämtlichen Hauptsymptomen und wenigstens vier Nebensymptomen, dann sprechen wir von einer schweren Depression.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die beste Möglichkeit, eine Depression erfolgreich zu behandeln, ist eine Psychotherapie in Kombination mit der kontrollierten Anwendung von Antidepressiva. Die Medikamente fördern die Produktion der Botenstoffe Dopamin und Serotonin im Gehirn und durch die Therapie lernt der Patient neue Verhaltensweisen und Gedankenmuster, um seine Krankheit zu bewältigen.

Mit welchen Therapien kann man Depressionen am besten besiegen?

Kognitive Verhaltenstherapie

Die am häufigsten für depressive Menschen angewandte Therapie ist die Kognitive Verhaltenstherapie, kurz KVT genannt.

In dieser Form der Therapie finden Patient und Therapeut zunächst gemeinsam heraus, ob es bestimmte erlernte Verhaltensweisen gibt, die dauerhaft negative Gedanken und Stimmungen erzeugen, welche dem Betroffenen das Leben schwer machen.

Im zweiten Teil der KVT lernt der Betroffene Schritt für Schritt, diese negativen Gedankenmuster und Verhaltensweisen durch positive zu ersetzen. Beispiel: Viele Depressive neigen dazu, sich zu isolieren, ihre sozialen Kontakte zu vernachlässigen und Hobbies nicht mehr auszuüben, mit dem Ergebnis, dass sie sich noch einsamer und unglücklicher fühlen. Die Therapie hilft ihnen, diese Verhaltensmuster zu analysieren, durch positive zu ersetzen und so wieder mehr am Leben teilzunehmen.

Die Kognitive Verhaltenstherapie hat sich als sehr effektiv bei der Behandlung von Depressionen erwiesen.

Analytische Psychotherapie

Die analytische Psychotherapie gründet sich auf Sigmund Freuds Theorie der Psychoanalyse. Diese geht davon aus, dass psychische Erkrankungen ihren Ursprung in verdrängten Konflikten, Ereignissen und Ängsten in der Kindheit haben, welche den Betroffenen im späteren Leben blockieren, ohne dass ihm dies bewusst ist.

Dabei kann es sich beispielsweise um ein gestörtes Verhältnis zu den Eltern handeln, wie Missbrauch oder Gewalt oder auch um ein traumatisches mit Todesangst verbundenes Erlebnis wie ein Unfall oder ein Brand. Diese verdrängten Angst-, Scham- oder Schuldgefühle können später zu Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen führen und werden im Rahmen der analytischen Psychotherapie aufgedeckt, analysiert und behandelt.

Bei der Psychoanalyse spricht der Patient in zahlreichen Sitzungen über seine psychischen Probleme, während der Therapeut ausschließlich in die Rolle des Zuhörers schlüpft, der das Gespräch zwar lenkt, aber keine Ratschläge und Hinweise gibt. Ziel der Therapie ist, dass der Betroffene sich seiner verdrängten Konflikte bewusst wird.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) ist aus der Psychoanalyse hervorgegangen. Sie verläuft ähnlich – allerdings mit dem Unterschied, dass der Patient vom Therapeuten auch Ratschläge bekommt.

Kann man einer Depression vorbeugen? Was können Sie selbst tun?

Sind die Symptome einer Depression nur schwach oder treten sie nur in großen Abständen auf, haben Sie eine reelle Chance, diese ohne ärztliche Hilfe in den Griff zu bekommen. Und wenn Sie vielleicht (noch) gar nicht betroffen sind, aber vielleicht aufgrund einer familiären Vorgeschichte oder einer belastenden Lebenssituation befürchten, dass Sie depressiv werden könnten, gibt es auch nicht wenige Dinge, die Sie zur Vorbeugung tun können.

Strukturierter Tagesablauf mit regelmäßigem Schlaf

So hilft beispielsweise ein aktiver Tagesablauf mit einer klaren Struktur. Dazu gehören beispielsweise feste Schlafenszeiten. Schlafstörungen gehören zu möglichen Ursachen von Depressionen. Gehen sie daher immer zur gleichen Zeit zu Bett und stehen Sie auch ungefähr zur gleichen Zeit auf. Dies gilt auch für das Wochenende! Viele Menschen, die schlecht schlafen, neigen dazu, am Wochenende „nachzuschlafen“. Davon ist jedoch abzuraten. Versäumter Schlaf ist weg und kann nicht „nachgeholt“ werden. Auch am Wochenende macht es nicht viel Sinn, länger als 8 Stunden zu schlafen.

Gesunde ausgewogene Ernährung

Da Depressionen ihren Grund unter anderem in Darmerkrankungen und Vitaminmangel haben können, kann auch eine gesunde und ausgewogene Ernährung eine gute Vorbeugung darstellen. Optimal nicht nur für die seelische, sondern auch die körperliche Gesundheit sind vier bis fünf kleinere Mahlzeiten pro Tag mit viel Eiweiß, gesunden Fetten und wenig ungesunden Kohlenhydraten wie Zucker, Weißbrot und Süßigkeiten. Dazu viel Wasser und ungesüßten Tee trinken!

Ausreichend Bewegung und wenig Stress

Achten Sie außerdem darauf, dass Sie tagsüber nicht zu viel Stress, aber auch nicht zu viel Leerlauf haben. Dauerstress kann ebenso für Depressionen verantwortlich sein wie ständige Langeweile. Bewegen Sie sich ausreichend, treiben Sie einen Sport, der Ihnen Spaß macht. Beim Sport schüttet der Körper die Glückshormone Serotonin und Dopamin aus. Gehen sie täglich mindestens eine halbe Stunde an die frische Luft. Mit dem Sonnenlicht tanken Sie Vitamin D*, welches ebenfalls Depressionen vorbeugen und deren Symptome lindern kann.

Fazit

Depressionen sind mittlerweile zur Volkskrankheit Nr. 1 geworden, unter der immer mehr Menschen leiden. Aber eine Depression ist kein unabänderliches Schicksal. Es liegt an Ihnen, sich der Krankheit zu stellen und sie zu besiegen. Ein erfahrener und einfühlsamer Psychologe* wird Ihnen gern mit der richtigen Therapie helfen. Scheuen Sie sich also nicht, professionelle Hilfe anzunehmen.

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