Innere Leere – wie sie entsteht, wie sie sich anfühlt und was Sie dagegen tun können

Innere Leere

Innere Leere überwinden – Bild: © Africa Studio – Fotolia.com

Eigentlich könnten Sie mit Ihrem Leben zufrieden sein, denn es fehlt Ihnen ja auf den ersten Blick an nichts: Sie leben in einer stabilen Beziehung oder haben eine Familie gegründet, Sie haben einen sicheren Job, der Sie ernährt, Sie haben einen netten Freundeskreis und interessante Hobbies. Sie haben ein gemütliches Zuhause und können sich jedes Jahr einen Urlaub leisten, vielleicht sogar mehr als einen pro Jahr. Und doch – Sie haben das Gefühl, irgendetwas fehlt, Sie haben oft Momente, in denen Sie eine innere Leere fühlen und gar nicht wissen, warum das so ist beziehungsweise woher diese innere Leere kommt.

Erkennen Sie sich wieder? Keine Sorge, diese Momente beziehungsweise Phasen kennt fast jeder von uns. Lesen Sie in diesem Artikel, wie sich innere Leere anfühlt, warum Sie hin und wieder so fühlen und was Sie dagegen tun können.

Worin äußert sich eine innere Leere?

Wenn Sie ergründen wollen, warum Sie eine innere Leere empfinden, sollten Sie zunächst wissen, wie eine solche sich äußert. An folgenden Symptomen merken Sie, dass die innere Leere eventuell zumindest zeitweise zu einem Problem für Sie werden könnte:

  • Sie fragen sich, welchen Sinn Ihr Leben eigentlich hat
  • Sie fragen sich, wer Sie selbst eigentlich sind, was Ihre Persönlichkeit ausmacht
  • Sie haben oft negative Gedanken
  • Sie fühlen sich oft grundlos niedergeschlagen
  • Sie fühlen sich trotz Partner und/oder Familie unvollständig
  • Sie fühlen sich oft allein, selbst, wenn Sie in Gesellschaft sind
  • Sie fühlen sich abhängig von der Bestätigung durch andere

Ein Gefühl der inneren Leere führt häufig auch zu Selbstzweifeln. Sie werden sich fragen: Warum fühle ich mich bloß so leer und einsam, wenn ich doch einen verständnisvollen Partner habe? Warum bin ich nicht zufrieden, obwohl ich zwei wohlgeratene Kinder habe? Wie kann es sein, dass ich mich unvollkommen fühle, ich bin doch erfolgreich und angesehen in meinem Beruf? Oft entwickelt sich aus dieser Widersprüchlichkeit ein regelrechter Teufelskreis. Sie fühlen sich leer, verstehen nicht warum und entwickeln daraus eine Angst vor dem Gefühl der inneren Leere.

Ein Gefühl wie Hunger oder ein schwarzes Loch

Sehr gut vergleichen kann man das Gefühl der inneren Leere mit Hunger – mit dem Unterschied, dass es sich nicht um körperlichen, sondern um emotionalen Hunger handelt. Es handelt sich hierbei um das Gefühl oder auch die Angst, niemals wirkliche Erfüllung finden zu können. Ein Gefühl, das gar nicht so selten vorkommt – und die bekannte Redewendung „am ausgestreckten Arm verhungern“ trifft es wohl ziemlich gut.

Viele Betroffene berichten davon, dass das Gefühl innerer Leere sich anfühlt wie eine Lücke, ein Vakuum oder auch wie ein „schwarzes Loch“, von dem – wie es scheint – alles aufgesogen wird. Für nicht wenige ist es nur schwer auszuhalten, und sie versuchen, dieses „schwarze Loch“ zu füllen, leider mit Dingen, die schaden statt helfen, wie z.B. Alkohol, Drogen, Medikamenten, Zigaretten oder übermäßigem Essen. Wieder andere kompensieren die Leere, indem sie sich geradezu exzessiv in ihre Arbeit stürzen oder Ausgleich in zahllosen flüchtigen Affären suchen.

Woher kommt das Gefühl der inneren Leere?

Innere Leere ist immer ein Zustand des Mangels. Viele Psychologen vertreten die Auffassung, dass die Ursachen für dieses Empfinden in erster Linie in der Kindheit zu suchen sind. Denn viele Betroffene hatten als Kind nicht genügend Zuwendung und Aufmerksamkeit, woraus das Gefühl entstand, nicht gut genug zu sein.

Betroffene berichten sehr häufig von folgenden Erfahrungen:

  • Sie wurden als Kind sehr häufig kritisiert, bestraft oder sogar geschlagen.
  • Ihnen wurde das Gefühl vermittelt, nicht „sie selbst“ sein zu dürfen, indem ihnen wiederholt gesagt bzw. vermittelt wurde, wie sie „richtig“ zu sein hätten.
  • Als Resultat der beiden genannten Punkte wurden Betroffene sehr angepasst, um Ärger zu vermeiden.
  • Nicht wenige wuchsen in Verhältnissen auf, in denen es zwar keine Kritik oder Strafe, aber auch wenig bis kein Interesse seitens der Eltern gab. Dies ist häufig in besonders begüterten, aber emotionslosen Familien der Fall.
  • Viele Betroffene wurden als Kind Opfer von Missbrauch. Die innere Leere ist in diesen Fällen oft der Versuch, Scham und Schuldgefühle zu bekämpfen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Ursachen für das Gefühl der inneren Leere fast immer in einem Mangel an Liebe, Zuwendung und emotionaler Bindung zu suchen ist. Dieser Mangel entsteht in einer Lebensphase, in der emotionale Wärme besonders wichtig ist, z. B. in der Kindheit oder Jugend. Nicht selten kommt es vor, dass Betroffene das Gefühl der inneren Leere noch bis weit ins Erwachsenenalter mit sich herumtragen und darunter leiden.

Was können Sie gegen die innere Leere tun?

Für die innere Leere gibt es immer einen Grund, auch wenn Ihnen dieser vielleicht gar nicht bewusst ist. Deshalb ist der erste Schritt zur Besserung eine Analyse der Situation. Sie müssen herausfinden, was genau Sie vermissen. Fehlt Ihnen der Sinn im Leben? Oder geht es eher um Beziehungen und Zugehörigkeit? Fehlt Ihnen ein Partner oder haben Sie zwar jemanden an Ihrer Seite, aber es fehlt Ihnen etwas Wichtiges in Ihrer Beziehung? Sobald Sie den Grund der inneren Leere kennen, können Sie Ihr Problem auch gezielt angehen.

Wenn Sie die folgenden Tipps beherzigen, können Sie mit dem Gefühl der inneren Leere besser umgehen bzw. diese langfristig sogar beseitigen:

Achtsamkeit

Die wenigsten von uns leben im wahrsten Sinne des Wortes achtsam. Achtsamkeit bedeutet, sich in jedem Augenblick dessen, was man gerade tut oder erlebt, bewusst zu sein und diesen Augenblick aktiv zu erleben. Klingt einfacher als es ist, denn wer verrichtet z.B. gerade Gartenarbeit und ist sich dessen in jedem Moment bewusst? Schweifen die Gedanken nicht vielmehr ab, z. B. zum nächsten Meeting, zum nächsten Zahnarzttermin oder zum bevorstehenden Geburtstag der Schwiegermutter? Konzentrieren Sie sich wieder zu hundert Prozent auf sich, nehmen Sie alles bewusst wahr, den Geruch der Gartenerde, die Wärme der Sonnenstrahlen auf Ihrer Haut, die Kühle des Wassers, den Wind in Ihrem Haar. So kommen Sie nach kurzer Zeit wieder in Ihre innere Balance.

Gesellschaft

Viele Betroffene haben das Gefühl, mit ihrem Problem allein auf der Welt zu sein. Das ist aber nicht der Fall, denn von innerer Leere sind viel mehr Menschen betroffen, als Sie glauben. Da kann es sehr hilfreich sein, sich Gleichgesinnte zu suchen. Werden Sie aktiv, suchen Sie das Gespräch mit Menschen, die ebenso betroffen sind. Eine Selbsthilfegruppe – ob im realen Leben oder auch auf Facebook – hat sich für viele Menschen als sehr hilfreich erwiesen.

Verwöhnen der Sinne

Verwöhnen Sie Ihre Sinne mit schönen Dingen! Können Sie ein Musikinstrument spielen? Oder sich vorstellen, dies zu erlernen? Musik wirkt sehr ausgleichend auf die Psyche. Können oder möchten Sie nicht selbst musizieren, entspannen Sie sich bei schöner Musik* oder hin und wieder bei einem Konzert. Oder versuchen Sie sich an einer kreativen Tätigkeit wie Malen oder Schreiben. Balsam für die Seele ist auch ein Haustier. Wenn es Ihre Wohnverhältnisse ermöglichen, machen Sie einen Hund oder eine Katze zu Ihrem Hausgenossen. Auch ein Aquarium mit farbenfrohen Fischen wirkt äußerst beruhigend und ausgleichend.

Etwas Neues

Oft können Veränderungen helfen, das Gefühl der inneren Leere zu lindern. Wie wäre es mit einem Tapetenwechsel? Dazu müssen Sie nicht einmal umziehen oder verreisen – obwohl auch dies positive Effekte haben kann – es kann schon Wunder wirken, wenn Sie Ihre Wohnung umdekorieren und um einige neue Möbelstücke oder Dekoelemente oder vielleicht auch um eine neue farbenfrohe Beleuchtung bereichern. Oder lernen Sie etwas Neues! Welche Sprache wollten Sie schon immer beherrschen? Italienisch? Französisch? Oder gar etwas Exotisches wie Japanisch oder Arabisch? Jetzt ist die richtige Zeit dafür!

Dankbarkeit

Ein starkes, aber oft unterschätztes Gefühl, welches innere Leere lindern oder sogar heilen kann, ist die Dankbarkeit. Diverse Untersuchungen und Studien haben eindeutig gezeigt, dass dankbare Menschen ruhiger und gelassener sind, über mehr Sozialkompetenz verfügen und ein besseres Selbstbild von sich besitzen. Dankbar zu sein, ist so einfach! Seien Sie dankbar für vermeintlich selbstverständliche Dinge wie das Dach über Ihrem Kopf, Ihren Job, Ihr Auto. Für ein neues Buch, einen schönen Film, den Sonnenaufgang am Morgen, die Blume am Wegesrand. Machen Sie Dankbarkeit zu einem Ritual: Nehmen Sie sich jeden Tag fünf oder zehn Minuten und führen Sie sich vor Augen, was es in Ihrem Leben Positives gibt und seien Sie bewusst dankbar dafür. Hierbei kann ein Dankbarkeits-Tagebuch* helfen. Denn Dankbarkeit macht glücklich. Ein Sprichwort lautet: „Nicht jeder Glückliche ist dankbar. Aber jeder Dankbare ist glücklich.“ Und das ist wahr!

Wann ist eine Therapie ratsam?

Es kommt vor, dass es Menschen schwer fällt, zu erkennen, worin die Ursache für ihre innere Leere liegt. Bei anderen wiederum wird die innere Leere als so belastend empfunden, dass sich daraus eine ernsthafte psychische Krankheit wie eine Depression oder Angststörung entwickeln kann. Viele entwickeln parallel zu einer solchen Erkrankung eine Abhängigkeit, z.B. von Alkohol oder Medikamenten oder auch eine Essstörung.

In solchen Fällen sollte man sich nicht scheuen, die Hilfe eines einfühlsamen erfahrenen Psychologen zu suchen. Er wird Ihnen behilflich sein, den Ursachen für die innere Leere auf den Grund zu gehen und nach Lösungen zu suchen. Ein vielleicht etwas längerer Prozess, der sich aber auf jeden Fall lohnt.

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