Seelische Störung

Nicht allein die körperliche, sondern auch die seelische Gesundheit von Menschen kann erheblichen Schwankungen unterliegen. Dies trifft ganz besonders in Zeiten erhöhter Belastung zu – z.B. durch den Tod eines nahen Angehörigen, eine Trennung sowie Scheidung oder den Verlust des Arbeitsplatzes. Vielen Menschen fällt es da sehr schwer, im seelischen Gleichgewicht zu bleiben.

Seelische Störungen und psychische Erkrankungen werden immer häufiger. Eine seelische Störung beschreibt eine signifikante Abweichung der psychischen Funktionen eines Menschen von medizinischen und gesellschaftlichen Normvorstellungen. Eine solche Störung hat Auswirkungen auf die Wahrnehmung, das Fühlen und Denken einer Person und sehr oft auch auf ihr Verhalten. Unter seelischen Störungen leiden häufig nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch deren Umfeld.

Wichtig zu wissen: Seelische Störungen sind weiter verbreitet, als man denkt und kein Zeichen von Schwäche! Jeden kann es treffen, und wenn Sie an einer solchen Störung leiden, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen!

Wie äußert sich eine seelische Störung?

Bei Menschen, die seelischen Belastungen ausgesetzt sind, können die verschiedensten Symptome in unterschiedlich starker Ausprägung ausfallen und den Betroffenen in seinem Alltag mitunter erheblich einschränken. Zu diesen Symptomen zählen:

  • Ängste
  • Nervosität
  • starke innere Anspannung
  • grundlose Traurigkeit

Im Normalfall treten diese Symptome zeitweise auf und verschwinden wieder, sobald der Auslöser keine Rolle mehr spielt.

Halten sie jedoch über einen längeren Zeitraum an und treten auch ohne einen konkreten Anlass auf, kommen Erscheinungen wie beispielsweise

  • Selbstmordgedanken,
  • Selbstverletzungen,
  • Panikattacken,
  • oder Wahnvorstellungen

dazu, und stellen die Symptome der psychischen Belastung eine immer größere Einschränkung im Alltag dar, dann sollte der Betroffene sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Welche Ursachen können psychische Störungen haben?

Seelische Störungen können ganz unterschiedliche Ursachen oder Auslöser haben, die sowohl im seelischen als auch im körperlichen Bereich zu suchen sind. Oft ist auch eine Verbindung mehrerer Komponenten der Grund, warum eine seelische Erkrankung entsteht.

So ist jemand, der über eine genetische Disposition verfügt, beispielsweise anfälliger für seelische Störungen als jemand, bei dem dies nicht der Fall ist. Auch die familiäre Vorgeschichte spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle. So steigt das Risiko, an einer seelischen Störung zu erkranken, wenn beispielsweise ein Elternteil an einer Panikstörung oder einer Depression litt.

Weitere Faktoren, die eine psychische Erkrankung begünstigen, sind Stoffwechselveränderungen im Gehirn oder traumatische Lebenserfahrungen, wie beispielsweise der Verlust eines geliebten Angehörigen, eine schmerzhafte Trennung oder der drohende oder tatsächliche Verlust des Arbeitsplatzes.

Des Weiteren spielt die persönliche Konstitution des Betroffenen eine Rolle für die Anfälligkeit einer seelischen Erkrankung. Während der eine schon ganz normale Anforderungen des Alltags als Überforderung empfindet und seelischen Schaden nimmt, gerät ein anderer erst in wirklich extremen Situation – wie z.B. Tod der Eltern oder eine Krebeserkrankung – in eine psychische Krise.

Was für seelische Störungen gibt es?

Eine seelische Störung oder psychische Erkrankung kann sich in unterschiedlichen Krankheitsbildern äußern, die wiederum in verschiedenen Schweregraden auftreten können.

Anhand der von der WHO erarbeiteten „Internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (International Classification of Diseases) können seelische Störungen und Erkrankungen zugeordnet werden. Diese Klassifizierung ist in Deutschland weitgehend rechtlich verbindlich. Die folgende Tabelle veranschaulicht einige Diagnosegruppen und dazu gehörige mögliche seelische Störungen:

Diagnosegruppe Mögliche seelische Störung
Affektive Störungen Depressionen, Bipolare Störungen wie manisch-depressive Persönlichkeitsstörung
Neurotische und Belastungsstörungen Zwangsstörungen, Angststörungen
Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen Narzisstische Persönlichkeitsstörung, Borderline-Störung, Kleptomanie (krankhafte Veranlagung zum Stehlen)
Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen Schizoaffektive Störungen (=Psychosen)
Verhaltensauffälligkeiten Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht, Schlafstörungen
Organische und symptomatische psychische Störungen Demenz
Störungen durch psychotrophe Substanzen Alkoholabhängigkeit, Medikamentenabhängigkeit, Drogenabhängigkeit
Verhaltens- und emotionale Störungen (meist in der Kindheit beginnend) ADHS, Tourette-Syndrom
Entwicklungsstörungen und Intelligenzminderung Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS)

Was kann man gegen eine seelische Störung tun? 

Spätestens, wenn eine seelische Störung mehrere Wochen anhält oder die Symptome immer häufiger und stärker werden, ist es höchste Zeit, etwas zu unternehmen.

Was ist nun besser – eine Psychotherapie oder Medikamente oder vielleicht beides? Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Kombination aus beidem besonders gute Ergebnisse erzielt.

Diagnose

Eine psychische Erkrankung zu diagnostizieren, ist oft gar nicht so einfach. Handelt es sich doch hier um etwas viel Komplexeres als eine Grippe, für die es sichere Indikatoren gibt oder einen Knochenbruch, bei dem eine Röntgenaufnahme eine eindeutige Auskunft gibt.

Können körperliche Ursachen ausgeschlossen werden, wird der Facharzt mit dem Patienten ein ausführliches Gespräch über Symptome und Beschwerden, eventuelle weitere Erkrankungen sowie die Vorgeschichte führen.

Häufig werden bei diesem Gespräch auch Fragebögen und/oder psychologische Tests eingesetzt. Ziel dieses Gespräches ist, dass das gesamte Bild aller Beschwerden erfasst und eine Diagnose gestellt werden kann. Nur mit der richtigen Diagnose kann der Therapeut feststellen, unter welcher seelischen Störung der Patient leidet und wie stark diese ausgeprägt ist. Erst mit einer Diagnose ist es anschließend möglich, einen geeigneten Behandlungsplan zu erstellen.

Behandlung mit Medikamenten – Psychopharmaka

Häufig sind Erkrankungen der Psyche mit einer Störung des Hirnstoffwechsels verbunden. Wenn dies der Fall ist, können Medikamente – sogenannte Psychopharmaka – angewandt werden, die in den Stoffwechsel des Gehirns eingreifen können. Psychopharmaka sind in der Lage, beispielsweise einen Mangel oder ein Ungleichgewicht der im Gehirn produzierten „Glückshormone“ Dopamin und Serotonin auszugleichen. Viele dieser Medikamente üben auch eine beruhigende Wirkung aus. Andere wiederum wirken erst zeitverzögert – wie z.B. Antidepressiva – und sind daher erst nach einer längerfristigen Einnahme wirksam.

Psychotherapie 

In vielen Fällen hat sich eine Psychotherapie als sehr effizient in der Behandlung seelischer Störungen erwiesen. Möglich sind folgende Behandlungsformen:

  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Analytische Psychotherapie
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Kognitive Verhaltenstherapie

Diese Therapie geht davon aus, dass viele psychische Probleme durch erlernte negative Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster bedingt sind. Mit Hilfe des Therapeuten lernt der Betroffene, diese zu erkennen und in positive Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster zu verwandeln. 

Analytische Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Beide Therapien haben einen ähnlichen Ansatz. Sie verbessern nicht nur die Symptome einer seelischen Störung, sondern gehen deren Ursachen auf den Grund. Sie gehen davon aus, dass psychische Erkrankungen durch traumatische Erlebnisse in der Vergangenheit, an die der Betroffene sich oft gar nicht erinnert, entstehen. Der Patient lernt während dieser Therapien, die Ursachen seiner Probleme zu erkennen und darauf aufbauend zu heilen.

Resümee

Immer mehr Menschen sind von seelischen Störungen betroffen, die nicht nur das eigene Leben, sondern auch das von Angehörigen massiv beeinflussen können. Eine seelische Störung ist jedoch kein unabänderliches Schicksal, sondern kann mit Hilfe von unterschiedlichen Behandlungsmethoden behoben werden. Scheuen Sie sich also nicht, professionelle Hilfe oder psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen!

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