Das Helfersyndrom erkennen und überwinden

Helfersyndrom

Wenn helfen zur Sucht wird – Bild: © Robert Kneschke – Fotolia.com

Der Begriff Helfersyndrom wurde erstmals 1977 von Wolfgang Schmidbauer eingeführt und bezeichnet in zwischenmenschlichen Beziehungen den Hang einer Person, sich immer als Helfer anzubieten. Auch wenn der Wunsch anderen zu helfen per se nichts Schlechtes ist, entwickelt sich dieser Wunsch bei Menschen mit Helfersyndrom zu einer Sucht, die Person ist auf das Helfen fixiert. Diese Art von Hilfsbereitschaft übertritt die körperlichen und geistigen Grenzen der Betroffenen und schädigt die seelische Gesundheit.

Entstehung des Helfersyndroms

Ein Helfersyndrom entsteht oft schon durch frühe Prägungen der Psyche. Menschen, die schon in der Kindheit gelernt haben ihren Wert von der Anerkennung anderer abhängig zu machen, entwickeln ein geringes Selbstwertgefühl und häufig auch ein Helfersyndrom. Wenn Kinder für schwierige Situationen in der Familie und Probleme der Eltern verbal oder subtil verantwortlich gemacht werden oder aber die Anerkennung der Eltern stets an Leistungen geknüpft wurde, lernen sie sich nur dann wertvoll zu fühlen, wenn sie anderen helfen, da sie sich so unabdingbar machen. Sie fühlen sich verantwortlich für die Gefühle anderer und versuchen sich durch ihre Hilfsbereitschaft aufzuwerten. Sie lernen, sich nur dann als guten Menschen zu sehen, wenn sie nicht egoistisch sind, sondern anderen helfen.

Symptome und Folgen des Helfersyndroms

Ein ungesundes Helfersyndrom erkennt man daran, dass die Hilfsbereitschaft einer Person ihre seelische Gesundheit oder körperliche Befindlichkeit beeinflusst. Ein gesunder Egoismus ist von jedem Menschen zu erwarten, auch hilfsbereite Menschen kennen ihre Grenzen. Ein Mensch mit Helfersyndrom beachtet diese Grenzen nicht und überfordert sich. Erschöpfung und sogar Depressionen sind oft die Folge. Gleichzeitig lehnen Betroffene die Unterstützung Dritter ab und achten oft nicht mehr auf die Bedürfnisse derer, denen sie helfen möchten. Die eigenen Wünsche der Betroffenen sind nur noch an die Gefühle anderer geknüpft, sie koppeln ihren Wert an das Wohl und die Anerkennung einer anderen Person.

Dieser Selbstverlust bedeutet eine schwere Belastung für die Psyche. Betroffene leben oft in unglücklichen Beziehungen – sie hängen sich an Menschen in der Hoffnung diese zu ändern oder zu „retten“ und hoffen dadurch ihren eigenen Selbstwert zu steigern. Auch ein übermäßiges schlechtes Gewissen, wenn man sich selbst etwas Gutes tut, kann ein Zeichen für ein Helfersyndrom sein. Menschen mit Helfersyndrom haben daher Schwierigkeiten nein zu sagen und sich den Bitten anderer zu entziehen. Gleichzeitig halten sie andere Menschen oft für undankbar und neigen zu Weltschmerz. Die Folgen dieser ständigen Überforderung gepaart mit einem schlechten Gewissen und einem Selbstverlust münden häufig in Depression und Burn-out.

Das Helfersyndrom überwinden
Eine tief liegende Erkrankung der Psyche allein zu bewältigen, ist nicht leicht. Spätestens bei einer Depression als Folge eines Helfersyndroms sollte man daher die Hilfe eines Psychologen oder Psychotherapeuten einholen. Ein Ansatz, das Helfersyndrom zu überwinden, liegt darin das kindliche Trauma, das für dieses Syndrom verantwortlich ist aufzuarbeiten. Darüber hinaus ist vor allem die Verbesserung des Selbstbildes des Betroffenen nötig, damit er aus seiner Zwickmühle gelangt. Betroffene müssen lernen, dass ihr Wert nicht nur an die Anerkennung und das Wohl anderer geknüpft ist, dass es erlaubt ist, auch mal egoistisch zu sein und das eigene Wohl im Blick zu haben und dass man dadurch kein schlechter Mensch ist und auch nicht von Freunden und Verwandten verlassen wird. Eigene Stärken, fernab von der Hilfsbereitschaft müssen gefunden und gefördert werden.

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Wenn Betroffene zum Beispiel Anerkennung im Sport, in der Kunst oder im Beruf erfahren, merken sie, dass sie auch andere Talente haben, die sie „wichtig“ und wertvoll machen. Auch können Betroffene sich ihrer Angst direkt aussetzen, indem sie sich dazu zwingen auch mal nein zu sagen. Auch wenn dies am Anfang besonders schwierig sein wird, wird man mit der Zeit merken, dass man keine schwerwiegenden Konsequenzen fürchten muss. Zeit für sich selbst, das Pflegen eigener Interessen und das Finden der Balance zwischen Hilfsbereitschaft und Egoismus sind der Schlüssel zu einer Überwindung des Helfersyndroms. Literatur, Gespräche und eine Therapie können dabei helfen, die seelische Gesundheit wieder herzustellen.

Tipps für den Alltag

Auch wenn in schweren Fällen eine Psychotherapie angeraten wird, gibt es kleine Experimente und Tipps im Alltag um ein Helfersyndrom zu überwinden und das eigene Selbstwertgefühl zu stärken:

  • Sich zwingen, auch mal nein zu sagen
  • Eigene Hobbys finden und Zeit für sich selbst frei machen
  • Die Unterstützung anderer annehmen
  • Körperliche Signale wie Erschöpfung wahrnehmen
  • Die Perspektive wechseln: Durch Gespräche und Literatur den Unterschied zwischen Hilfsbereitschaft und Aufopferung kennen lernen

Wenn Betroffene lernen, ihre Hilfsbereitschaft zu dosieren und ihre eigenen Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen, können Sie ihren hilfsbereiten Charakter nutzen und positiv umsetzen: helfen ohne sich aufzuopfern.

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5 Kommentare zu Das Helfersyndrom erkennen und überwinden

  1. Diana 22. Februar 2013 at 12:07 #

    Hmm der Grad zwischen Helfersyndrom und jmd. hilfreich sein ist aber schwer abzustecken finde ich. Ich persönlich finde nämlich auch nein sagen sehr schwierig und ich glaube, dass geht den meisten Menschen so, weil wir einfach gelernt haben, dass es höflicher ist ja zu sagen.

  2. Diana 22. Februar 2013 at 12:09 #

    Hmm der Grad zwischen Helfersyndrom und einfach nur hilfreich sein ist aber schwer erkennbar finde ich. Gerade das nein sagen fällt den meisten Menschen doch ungeheuer schwer, weil man nicht egoistisch und unfreundlich erscheinen möchte.

  3. Hildegard 11. Dezember 2015 at 00:24 #

    Wenn man jemandem helfen will muss man sich doch nur die Frage stellen, ob diese Hilfe dem anderen wirklich hilft oder fühlenich mich dadurch besser. Viele Menschen sind ja auch noch enttäusche wenn sie geholfen haben und kein danke oder sonstiges bekommen.

  4. Oez 15. Dezember 2016 at 22:07 #

    Wenn ich das lese, bin ich verloren, denke ich. Ich, als bilingual und multikulturell geprägtes Wesen, stehe nun mit voller Kraft und Verantwortung mitten im Geschehen als Lehrkraft und beratender Mensch anderen Menschen zur Seite, die vom System und den Ämtern als nullqotient für politische Quoten zur aufpolierend von Statistiken und Perioden genutzt werden. Konkret bedeutet das: ich bin seit über 23 Jahren selbstständige Autorin und Komponistin, habe in jungen Jahren die Welt gesehen, habe mich für meine Herkunft Deutschland und die Kultur entschieden und vermittle diese mit voller Leidenschaft, Inbrunst und Hingabe. Was nun, frage ich mich. Die Reise ist für uns alle klar. Entweder lernen wir zusammenzuhalten oder wir werden gänzlich scheitern. Jede Kultur und Geschichte hat auch etwas wunderbares, schönes, liebes und wertvolles hervorgebracht. Das zu erkennen ist unser aller Aufgabe, wenn wir verstehen wollen, wofür das alles gut sein soll. 🙂

  5. Frankenfeld 9. März 2017 at 17:05 #

    Helfen ja aber nicht dem zu Helfenden aufzwingen!
    Und fragen ob Hilfe auch gebraucht wird und nicht sich in den Vordergrund drängen!

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