Anleitung zu mehr Selbstliebe: wie man lernt sich selbst zu lieben

Ganz sicher kennen auch Sie den Spruch: „Nur wer sich selbst liebt, ist in der Lage, andere lieben zu können.“

Ein sehr guter Spruch, der viel Wahrheit enthält. Es ist in der Tat so, dass ein Mensch, der sich selbst gern mag und mit sich im Reinen ist, voll positiver Lebensenergie ist und diese nur allzu gerne mit anderen teilt.

Viele Menschen tun sich jedoch recht schwer damit, sich selbst zu lieben. Sei es, weil sie ein geringes Selbstwertgefühl haben und der Meinung sind, sie sind es nicht wert, geliebt zu werden; oder sei es, dass sie Selbstliebe mit Egoismus oder Arroganz gleichsetzen und deshalb die Liebe zu sich selbst unterdrücken. Dabei hat Selbstliebe nicht das Geringste mit den beiden letzteren zu tun. Im Gegenteil – Menschen mit einem allzu großen Ego, die auf ihre Umwelt arrogant wirken, pflegen alles andere als Selbstliebe. Sie lieben und akzeptieren sich eben nicht so, wie sie sind, sondern tragen eine Maske vor sich her.

Was aber hat es genau mit der Liebe zu sich selbst auf sich? Was Selbstliebe ist, warum sie so wichtig ist und wie sie erlernt werden kann – dieser Artikel erklärt es.

Was ist Selbstliebe?

Haben Sie einen besten Freund? Wie gehen Sie mit diesem um? Ganz sicher so, dass dieser Mensch auch Ihr bester Freund bleibt, nicht wahr? Ganz sicher würden Sie Ihren besten Freund nicht verletzen, nicht betrügen und nicht belügen, sondern ihm vielmehr stets mit Respekt und Aufmerksamkeit begegnen. Kurz zusammengefasst, kann gesagt werden, Selbstliebe bedeutet, wenn Sie selbst Ihr bester Freund sind. Wenn Sie mit sich selbst so umgehen, als wären Sie Ihr bester Freund – dann lieben Sie sich selbst.

Und genau so wie Liebe bedeutet, in Beziehung mit jemandem zu stehen, bedeutet Selbstliebe, in einer Beziehung mit sich selbst zu sein. In keiner Beziehung herrscht immer nur eitel Sonnenschein. Es gibt Höhen und Tiefen, es gibt Auseinandersetzung und Versöhnung, es gibt Verständnis ebenso wie das Aufzeigen von Grenzen. Und so ist es auch mit der Beziehung mit sich selbst: Es gibt Zeiten, in denen man sich gut versteht, und es gibt Zeiten, da ist man sich fremd. An manchen Tagen fühlt man sich sehr nahe, an anderen wiederum nicht.

Wenn Sie Selbstliebe erlernen wollen, geht es also in erster Linie darum, Ihre Beziehung zu sich selbst zu gestalten und zu entwickeln.

Warum fällt Selbstliebe oft so schwer?

Ein Zuwenig an Selbstliebe entsteht fast immer aus einem Zuviel an Selbstzweifel. Und diese werden in der Regel in der Kindheit geprägt. Wenn wir auf diese schöne Welt kommen, sind wir reinen Herzens und kennen keinen Zweifel an uns selbst. Niemals kämen wir auf die Idee, wir könnten für irgendetwas oder irgendjemanden nicht gut genug sein. Durch Erziehung und andere Einflüsse aus unserem Umfeld kommen daran jedoch immer mehr Zweifel. Ganz sicher erinnern auch Sie sich an solche und ähnliche Aussagen:

  • Du bist nicht der Nabel der Welt!
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!
  • Was sollen denn die Nachbarn denken, wenn Du….
  • Eigenlob stinkt!
  • Kannst Du auch mal Rücksicht auf … nehmen?

Solche und ähnliche „Weisheiten“ führen schleichend dazu, dass wir uns selbst immer mehr verlieren und lernen, statt auf die eigenen auf die Bedürfnisse anderer zu hören. Wir passen uns immer mehr an und leben in erster Linie dafür, die Erwartungen unseres Umfelds zu erfüllen und um dessen Anerkennung zu kämpfen. Und unsere eigene Persönlichkeit, unsere wahren Bedürfnisse geraten mit einer solchen Entwicklung immer mehr ins Hintertreffen.

Warum ist Selbstliebe so wichtig?

Wer sich selbst liebt, nimmt seine Umwelt ganz anders wahr und wird im Gegenzug auch von dieser ganz anders wahrgenommen als jemand, der dies nicht tut. Wer gut mit sich selbst umgeht, nimmt seine Bedürfnisse ernst und hat die Fähigkeit, diese auch durchzusetzen. Menschen, die sich selbst lieben, fällt es wesentlich leichter, ihre Ziele zu erreichen. Folgende Vorteile bringt Ihnen die Eigenliebe:

  • Sie haben mehr Selbstvertrauen und nehmen Ihre Wünsche und Bedürfnisse ernst.
  • Sie sind authentischer und lassen sich nicht auf Kompromisse ein, die Ihnen nicht gut tun.
  • Sie haben mehr Erfolg, weil Sie sich von Fehlern nicht entmutigen lassen, sondern diese zum Lernen nutzen.
  • Sie wirken attraktiver auf Ihr Umfeld, weil Sie selbstbewusst durch das Leben gehen, wissen was Sie wollen und auch mal Nein sagen können.
  • Sie leben gesünder, weil Sie besser auf Ihre Ernährung und eine gesunde Lebensweise achten.

Möchten Sie dies alles erreichen? Fällt es Ihnen jedoch schwer, sich selbst zu lieben? Auch Sie können Selbstliebe lernen, und es geht einfacher, als Sie denken. Lesen Sie im Folgenden, wie es funktioniert. 

Lernen Sie sich selbst zu lieben! 7 Tipps für mehr Selbstliebe

Die folgenden Tipps sollen Ihnen helfen, sich in Zukunft selbst an erste Stelle zu setzen und eine positive Beziehung zu sich selbst aufzubauen.

Tipp 1 – Konstruktive Selbstkritik lernen

Menschen, die sich selbst nicht lieben, haben fast immer das Problem, dass sie viel zu hart mit sich selbst ins Gericht gehen. Dabei ist Selbstkritik durchaus richtig und wichtig, aber bitteschön konstruktiv! Doch wie kann man sich auf eine positive und konstruktive Art selbst kritisieren? Kommen wir einfach auf den Vergleich mit dem besten Freund von weiter oben zurück. Stellen Sie sich vor, Ihr bester Freund hat eine wichtige Prüfung vermasselt. Wie würden Sie reagieren? Etwa so: „Meine Güte bist Du dumm! Wie kann jemand nur so dämlich sein?“ Ganz sicher nicht, oder? Sie würden vielmehr etwas Tröstendes und Aufbauendes sagen wie:

  • „Ich bin damals beim ersten Versuch auch durchgerasselt.“
  • „Die Wiederholungsprüfung schaffst Du auf jeden Fall!“
  • „Das kann doch jedem passieren, bereite Dich einfach noch ein paar Tage vor, und dann wiederholst Du. Alles kein großes Thema.“

Und da Sie ja selbst Ihr bester Freund werden sollen, gehen Sie in Zukunft zwar weiterhin selbstkritisch, aber nicht mehr verletzend mit sich um. Lernen Sie, sich selbst gegenüber Verständnis und Empathie aufzubringen und bauen Sie sich mit konstruktiver Selbstkritik wieder auf!

Tipp 2 – Liebe Deine Person mehr als andere!

Genau damit tun sich viele Menschen sehr schwer. Mich selbst mehr lieben als andere, mehr sogar als meinen Partner? Ist das nicht Egoismus oder gar Narzissmus? Nein, ist es nicht. Wer sich selbst an erste Stelle setzt, ist weder egoistisch noch arrogant und schon gar nicht narzisstisch. Und genau das ist das Ziel. Sie sollen sich tatsächlich mehr lieben als den Partner. Damit werten Sie Ihren Partner aber keinesfalls ab, sondern vielmehr auf. Denn wenn Sie sich selbst lieben, wird diese Liebe auch Ihrem Partner und Ihrer Beziehung zugute kommen. Gehen Sie gut mit sich um, pflegen Sie sich, hüllen Sie sich in attraktive Kleidung. Nicht vergessen: Unser Äußeres ist das Spiegelbild unserer Seele. Wer in schmutzigen, abgerissenen Sachen herumläuft, zeigt damit nur seine mangelnde Selbstliebe.

Tipp 3: Spieglein, Spieglein an der Wand

Wer sich selbst liebt, schaut sich gerne im Spiegel an. Ist dies bei Ihnen nicht der Fall, dann gewöhnen Sie es sich an. Der flüchtige Blick in den Spiegel morgens beim Schminken und Haarekämmen zählt dabei nicht! Gewöhnen Sie sich folgendes Ritual an: Stellen Sie sich jeden Morgen vor einen Ganzkörperspiegel. Betrachten Sie sich genau, jedes einzelne Detail. Achten Sie dabei besonders auf die Dinge an Ihrem Körper, die Ihnen gefallen. Lächeln Sie sich zunächst an, dann lachen Sie sich richtig laut an. Umarmen Sie sich und sagen Sie zu Ihrem Spiegelbild: „Du bist toll, so wie Du bist, und ich liebe Dich!“ Machen Sie diese Übung zu einem regelmäßigen Ritual. Es muss vielleicht nicht täglich sein, ein- bis zweimal pro Woche trägt schon eine Menge zu mehr Selbstliebe bei.

Tipp 4 – Akzeptanz statt Widerstand

Wenn es um Selbstliebe und damit um Selbstakzeptanz geht, ist eines der größten Hindernisse der Widerstand. Und zwar der, der sich gegen Dinge richtet, an denen aktuell und wahrscheinlich auch zukünftig nichts zu ändern ist. Dies können Äußerlichkeiten wie eine etwas zu groß geratene Nase, ein vermasseltes Bewerbungsgespräch oder auch eine ungeschickte Bemerkung, die man nicht mehr ungesagt machen kann, sein. Wir sind alle Menschen, und kein Mensch ist perfekt. Wir haben alle unsere – oft nur scheinbaren – Mängel, wir machen alle Fehler, und unsere schönen wie unsere weniger schönen Seiten machen jeden von uns zu einem einzigartigen unverwechselbaren und liebenswerten Individuum. „All your perfect imperfections“ – wie es so schön in einem Lied heißt. Lernen wir doch einfach, uns an den positiven Eigenschaften zu erfreuen und die weniger positiven zu akzeptieren und akzeptieren zu lassen – ansonsten werden uns der Widerstand und die daraus resultierenden negativen Gefühle zerreißen. 

Ein konkretes Beispiel: Sie haben in einer Gesprächsrunde etwas Falsches oder Unpassendes gesagt und meinen, sich dadurch bis auf die Knochen blamiert zu haben. Noch Tage oder Wochen danach regen Sie sich über Ihr Missgeschick auf und kommen darüber einfach nicht zur Ruhe. Stellen Sie sich zu der Situation folgende Fragen:

  1. Kann ich an dem Geschehen noch etwas ändern?
  2. Warum fühle ich mich durch das Erlebnis so schlecht/blamiert/bloßgestellt?
  3. Kann ich aus der Situation möglicherweise etwas lernen?

Diese Fragen sind ganz einfach zu beantworten. Auf Frage 1 kann es nur eine geben, und die lautet Nein. Gesprochenes Wort und vergossenen Wein fängt nun mal niemand wieder ein, also auch nicht Sie. Was also bringt es, dass Sie noch lange nach dem Erlebten darüber grübeln und sich schlecht fühlen? Richtig – gar nichts.

Zu Frage 2: Okay, es war nicht Ihr geschicktester Auftritt, aber was genau ist eigentlich so schlimm? Jedem passiert so etwas einmal, und garantiert ist auch allen anderen Beteiligten schon einmal etwas Ähnliches passiert. Ist das wirklich ein Grund, noch immer wertvolle Energie in diese Geschichte zu investieren? Stellen Sie sich einfach einmal die anderen Beteiligten vor: Glauben Sie, dass auch nur einer von denen noch über Ihren Patzer nachdenkt, geschweige denn darüber spricht? Ich garantiere Ihnen – die anderen haben es längst vergessen! Was also hält Sie davon ab, dies ebenfalls zu tun?

Zu Frage 3: Ja, ganz sicher können Sie das – so wie Sie aus allen erlebten Situationen lernen können. Wie wäre es in diesem Fall damit, wenn Sie für ähnliche Situationen in der Zukunft lernen würden, solche Dinge mit etwas mehr Humor zu nehmen und über sich selbst lachen zu können?

So, und nun nach Beantwortung der Fragen atmen Sie einmal tief durch und dann entscheiden Sie für Ihr zukünftiges Leben, sich von solchen Situationen nicht mehr herunterziehen zu lassen.

Tipp 5: Schenken Sie sich selbst Liebe!

Wie zeigen Sie einem Menschen, dass Sie ihn lieben? Natürlich indem Sie es ihm sagen, aber auch durch viele Taten und Gesten. Sie bereiten dem geliebten Menschen ein leckeres Essen zu, Sie laden ihn ins Kino oder zu einem Eis ein, Sie verreisen mit ihm und verbringen so viel Zeit mit ihm wie möglich.

Da der beschriebene geliebte Mensch in erster Linie Sie selbst sind, tun Sie diese Dinge ab sofort für sich. Laden Sie sich selbst ins Kino ein, zelebrieren Sie ein schönes Essen für sich, verreisen Sie  bewusst einmal nur mit sich selbst! Alles Dinge, die eine Menge Spaß machen, und die Selbstliebe wird sich so mit der Zeit von ganz alleine einstellen!

Tipp 6 – Loben Sie sich selbst!

Eigenlob stinkt, haben Sie als Kind einmal gelernt? Es gibt viele Weisheiten aus Großmutters Zeiten, die durchaus noch ihre Gültigkeit haben, aber diese gehört garantiert nicht dazu. Nein, Eigenlob stinkt gar nicht. Genauso wenig wie Geld übrigens. Ganz im Gegenteil – wer sich selbst liebt, der lobt sich auch selbst. Tun Sie auch dies regelmäßig. Nehmen Sie sich jeden Tag ein paar Minuten Zeit, in denen Sie sich bewusst für das loben, was Sie an diesem Tag geleistet haben. Sie können Ihr Selbstlob auch schriftlich in einem Tagebuch festhalten. Dann können Sie auch in regelmäßigen Abständen zurückblättern, was noch einmal zusätzlich motivierend ist.

Tipp 7 – Live your dreams!

Vielleicht der wichtigste Tipp beim Erlernen der Selbstliebe: Geben Sie niemals Ihre Träume auf! Ganz sicher kennen auch Sie mindestens ein Beispiel von einem 80-jährigen, der seinen ersten Fallschirmsprung wagt oder der 70-jährigen, die noch einmal als „Silver Model“ durchstartet. Es gibt keinen Zeitpunkt im Leben, in dem es zu spät ist, seine Träume zu verwirklichen! Wenn Sie Ihre Träume wahr machen, werden Sie merken, dass etwas nahezu Magisches geschieht – Sie werden unendlich stolz auf sich sein – und dieser Stolz führt unweigerlich dazu, dass Sie sich selbst lieben werden.

Fazit

Selbstliebe gehört wahrscheinlich zu den Worten, die am leichtesten missverstanden werden können. Viele haben sofort das Bild eines egoistischen, narzisstischen und arroganten Menschen vor sich, der nur seine eigenen Interessen und Vorteile im Kopf hat. In Wirklichkeit geht es bei der Selbstliebe jedoch um etwas völlig anderes. Selbstliebe bedeutet, sich selbst annehmen zu können – mit allen Stärken und Schwächen, ohne Wenn und Aber. Selbstliebe bedeutet sich selbst zu akzeptieren und sich selbst wertzuschätzen. Sie ist von großer Wichtigkeit für unser seelisches Wohlbefinden, fällt vielen Menschen jedoch sehr schwer. Es ist jedoch möglich und gar nicht so schwer, die Selbstliebe zu erlernen.

Bild: © i love simple beyond – pexels.com

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Ein Kommentar zu Anleitung zu mehr Selbstliebe: wie man lernt sich selbst zu lieben

  1. Ulrike Poppitz 14. Juli 2019 at 11:19 #

    Ein sehr wertvoller Bericht für mich, ich muss lernen es umzusetzen. DANKESCHÖN

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