Verlustangst verstehen und überwinden

Verlustangst

Andauernde Verlustangst kann belasten – Bild: © Boggy

Angst ist ein natürliches Gefühl, das jeder Mensch kennt. Eigentlich ist sie sogar ein sehr wichtiges Gefühl, da sie uns evolutionär gesehen vor gefährlichen Situationen warnt. Auch Verlustangst, also die Angst einen nahestehenden Menschen oder eine bestimmte Lebenssituation oder den Arbeitsplatz zu verlieren, ist zunächst nichts außergewöhnliches und hat jeder schon in der ein oder anderen Form erlebt. Es gibt jedoch Formen sehr ausgeprägter Verlustangst, die für Betroffene sehr belastend sein kann und sogar in eine Depression münden kann.

Verlustangst und ihre Folgen

Verlustangst ist oft die Folge von frühen traumatischen Erlebnissen wie frühe Verlusterfahrungen durch Scheidung oder den Tod einer Bezugsperson oder auch durch die Vernachlässigung durch diese. Betroffene haben also schon in der Kindheit prägende Verluste und Zurückweisung erfahren – Folge sind starkes Misstrauen, Selbstwertprobleme und Verlustängste, die sich auch im Erwachsenenalter zeigen. Die Gedanken von Menschen mit Verlustängsten kreisen häufig darum den Partner, Freunde, ein Familienmitglied, eine bestimmte Lebenssituation oder den Arbeitsplatz zu verlieren. Folgen können Kontrollzwang, übermäßiges Klammern aber auch Rückzug und Zeichen einer Depression, wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit und Einsamkeit sein. Verlustängste können sich dabei in ganz unterschiedlichen Bereichen niederschlagen.

Verlustangst in Beziehungen

Ein häufiger Bereich in dem sich Verlustängste zeigen sind Beziehungen. Hier äußern sich Verlustängste durch die permanente Angst, den Partner zu verlieren, selbst wenn objektiv betrachtet kein wirklicher Grund dafür besteht. Diese übermäßige Angst ist sowohl für den Betroffenen als auch den Partner sehr belastend und äußert sich häufig in starkem Kontrollzwang und Misstrauen, Klammern, Eifersucht und abwertenden Gedanken und Gefühlen. Auch Distanzierung und Rückzug oder nicht wirkliches Zulassen von Nähe können Folgen der Verlustangst sein. Im schlimmsten Fall ist sogar eine Depression die Folge. Verlustängste in Partnerschaften sind daher sehr belastend und können dadurch tatsächlich zum befürchteten Ende der Beziehung führen.

Verlustängste im Job

Auch am Arbeitsplatz können Verlustängste auftreten und sehr belastend sein. Betroffene lassen sich durch ihre Verlustängste im Job häufig ausnutzen oder neigen dazu sich zu überarbeiten um sich unentbehrlich zu machen. Starkes Konkurrenzdenken und Burnout können hier die Folge von Verlustängsten im Job sein. Betroffene definieren sich dabei häufig vor allem über ihren Job und vernachlässigen andere Aspekte in ihrem Leben.

Ursachen für Verlustängste in der Kindheit

Verlustängste werden häufig schon in der Kindheit geprägt. Kinder merken schon sehr früh, wer ihre Bezugspersonen sind und erwarten bedingungslose Liebe und Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Wird dies nicht gewährt, zum Beispiel weil eine Bezugsperson durch Scheidung oder Todesfall nicht anwesend ist oder das Kind vernachlässigt wird, verliert das Kind sein Vertrauen, fühlt sich zurückgewiesen und wertlos – dies manifestiert sich schließlich in Verlustängsten, die auch im späteren Leben zu Problemen führen. Daher ist es hilfreich bei Verlustängsten schon früh, in der Kindheit, einzugreifen. Kinder sollten dafür grundsätzlich ernst genommen und ihnen sollte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Hat ein Kind eine prägende Verlusterfahrung gemacht, kann es außerdem hilfreich sein, eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen.

Verlustängste überwinden

Verlustängste sind im Alltag und gerade auch in Beziehungen sehr belastend, können allerdings überwunden oder zumindest gemildert werden. In sehr ausgeprägten Fällen ist zur Unterstützung eine Psychotherapie ratsam, aber auch ein paar Tipps im Alltag können helfen die Verlustangst zu meistern.

Verlustängste erkennen

Verlustängste zeigen sich nicht immer direkt und sind vielen Betroffenen daher gar nicht bewusst. Wichtig um Verlustängste zu überwinden ist daher zunächst sie zu erkennen und zu verstehen. Verlustängste zeigen sich oft als sehr diffuse permanente Angst, durch Kontrollzwang oder negative Gefühle und Gedanken gegenüber Bezugspersonen. Ein Tagebuch und genaue Selbstbeobachtung können helfen aufzudecken, wann und wie sich Verlustängste zeigen. Im nächsten Schritt sollten auch die Ursachen für die eigenen Verlustängste – die meist in der Kindheit oder früheren Verlusterfahrungen liegen – gefunden werden um diese mitunter traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten und sich von den gegenwärtigen Verlustängsten distanzieren zu können.

Selbstwertgefühl stärken

Um Verlustängste zu überwinden sollte vor allem das Selbstwertgefühl gestärkt werden, denn das ist sowohl als Ursache für, als auch als Folge von Verlustängsten sehr gering. Ein stärkeres Selbstwertgefühl gibt Betroffenen eine größere innere Sicherheit und das lässt auch übermäßige Verlustängste geringer werden. Natürlich ist ein schlechtes Selbstwertgefühl eine Folge von sehr alten Mustern und lässt sich daher auch nicht von heute auf morgen verbessern. Häufig ist auch eine Psychotherapie notwendig um alte Muster und Ängste zu erkennen und zu durchbrechen.

Zunächst können aber auch Tipps im Alltag helfen Verlustängste zu überwinden. Schon ein neues Hobby kann dabei helfen eigene Fähigkeiten neu zu entdecken und das Selbstbewusstsein zu stärken. Wichtig ist außerdem, sich genug Zeit für sich zu nehmen, denn gerade Menschen mit Verlustängsten neigen häufig dazu sich aus Angst vor Verlusten und Konflikten ausnutzen zu lassen und nicht zu ihren eigenen Bedürfnissen zu stehen. Hier können zum Beispiel feste Tage oder Abende helfen, die nur dafür da sind sich selbst etwas Gutes zu tun – zum Beispiel in Form eines Bades, eines guten Buches oder eines leckeren Essens.

Auch das Durchbrechen negativer Gedankenkreise ist wichtig um ein besseres Selbstwertgefühl aufzubauen. Dabei kann es auch helfen, immer wieder auftauchende negative Gedanken und Gefühle in bestimmten Situationen aufzuschreiben und zu versuchen, diese bewusst in neutrale oder positive Gedanken umzuformulieren. So lernt man mit der Zeit zum Beispiel das negative Verhalten des Partners oder anderer Mitmenschen nicht immer persönlich zu nehmen oder als Indikator für einen drohenden Verlust zu sehen.

Verlustängste entstehen häufig sehr früh und sitzen sehr tief, deshalb kann nicht erwartet werden, dass sie sich von heute auf morgen bearbeiten lassen. Mit etwas Geduld ist es jedoch möglich sie zu überwinden und somit entspannter im Alltag, in Beziehungen und am Arbeitsplatz zu sein und sich nicht mehr von der Verlustangst beherrschen zu lassen.

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