Zukunftsangst – Ursachen, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen

Zukunftsangst

Bild: © Viacheslav Iakobchuk – Fotolia.com

Ungewissheit, Unsicherheit, bevorstehende Veränderungen  – es gibt eine ganze Menge Gründe, derentwegen man mit Angst und Sorge in die Zukunft blicken kann. Und die Tendenz dazu steigt alarmierend an! Waren es im Jahr 2013 noch 28 %, die hierzulande angaben, ihrer Zukunft ängstlich entgegen zuschauen, waren es nur zwei Jahre später mit 55 % bereits doppelt so viele. Das bedeutet, mehr als die Hälfte der Deutschen hat Angst vor der Zukunft. Aber warum ist das so? Dieser Artikel geht der Zukunftsangst auf den Grund. Welches sind die Gründe dafür, wovor genau haben wir Angst, sind die Ängste berechtigt? Und vor allem – was kann man gegen diese Ängste tun?

Zukunftsangst – was ist das eigentlich?

Unter Zukunftsangst verstehen wir die Angst vor Dingen, die in den nächsten Wochen, Monaten oder auch Jahren geschehen könnten. „Was passiert, wenn…?“ ist die Frage, die Menschen mit Zukunftsangst immer wieder umtreibt. Angst vor der Zukunft ist im Wesentlichen:

  • Angst vor Veränderungen
  • Angst vor Fehlentscheidungen
  • Angst vor Unglücken aller Art
  • Angst vor Unsicherheit

Für Zukunftsängste kann es Gründe und Auslöser geben, häufig treten sie aber auch völlig grundlos auf – in diesen Fällen ist die eigene negative Einstellung für die Entstehung der Ängste verantwortlich.

Wodurch werden Zukunftsängste ausgelöst?

Zukunftsängste können in ganz unterschiedlichen Altersgruppen und Lebensabschnitten auftreten und verschiedene Auslöser haben. Oft entstehen solche Ängste bereits im Kindesalter. Im Folgenden lernen Sie die häufigsten Auslöser für Zukunftsängste kennen.

Erwartungsdruck

Zukunftsängste entstehen oft bereits in sehr jungen Jahren. Kinder bekommen spätestens ab Schulbeginn eingeimpft, dass sie gute Leistungen haben müssen, damit sie später einmal einen „vernünftigen Beruf“ ergreifen und erfolgreich sein können. Dabei wird der Erfolg vor allem in Euro, Ansehen und Status gemessen – leider ist dies in unserer Wohlstandsgesellschaft so. Sowohl von seiten der Schule als auch von seiten der Eltern wird nicht selten enormer Druck auf die Kinder ausgeübt. Dabei müssen sie nicht nur in der Schule bestmögliche Leistungen erzielen, nebenbei muss noch mindestens eine Sportart exzessiv betrieben und ein Instrument erlernt werden.

Und wenn dann solch junge Menschen trotz all ihrer Bemühungen erkennen, dass sie eben nun einmal nicht alles perfekt können, dass es andere gibt, die womöglich bessere Leistungen erzielen, stellen sich mitunter bereits in sehr jungen Jahren Zukunftsängste ein.

  • Hoffentlich verhaue ich die Mathearbeit nicht!
  • Hoffentlich bleibe ich nicht sitzen!
  • Was, wenn ich es nicht auf das Gymnasium schaffe, sondern „nur“ auf die Gesamtschule?

Solche und ähnliche Gedanken begleiten Betroffene oft durch das gesamte Schulleben und erzeugen Versagensängste, die unter Umständen das ganze Leben andauern können. Der Druck, dem Kinder bereits in der Schule ausgesetzt sind, kann somit den Grundstein für eine krankhafte Angst vor der Zukunft in späteren Jahren legen, die – wie viele andere Ängste auch – erst im Erwachsenenalter richtig zum Tragen kommt.

So schauen im Alter von 14 bis 34 Jahren bereits etwas mehr als 40 % sorgenvoll in die Zukunft, in der Altersgruppe von 35 bis 54 Jahren sind dies mit 56 % bereits mehr als die Hälfte. Bei Menschen ab 55 Jahren leiden Umfragen zufolge ca. 64 % an Zukunftsängsten – das sind fast zwei Drittel!

Wunsch nach Kontrolle

Ein Grund für Zukunftsangst kann auch Angst vor Kontrollverlust sein. Viele Menschen möchten immer alles unter Kontrolle haben und ganz genau wissen, was sie in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren erwartet. Die Tatsache, dass dies aber nun einmal nicht möglich ist, kann Angst vor der Ungewissheit hervorrufen. Hiervon sind nicht selten Menschen betroffen, die gegenwärtig das Gefühl haben, ihr Leben sei ihnen aus den Händen geglitten und nicht mehr vollständig unter ihrer Kontrolle. Die Reaktion darauf ist, dass sie dann wenigstens auf alle kommenden Ereignisse vollständig vorbereitet sein wollen.

Mangelndes Selbstvertrauen

Ein wesentlicher Grund für Zukunftsängste ist auch im fehlenden Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten begründet. Wer über kein oder kein ausreichendes Selbstvertrauen verfügt, sein Leben meistern zu können, für den ist es fast unmöglich, der Zukunft positiv und ohne Angst entgegen zusehen.

Persönliche Erfahrungen und Lebensveränderungen

Auch persönliche Lebenserfahrungen – und zwar sowohl negative als auch positive – können Ängste vor der Zukunft auslösen. Wer schon einmal oder gar mehrmals einen Unfall oder eine ernste Erkrankung erlebt hat, oder wer schon einmal eine längere Arbeitslosigkeit aufgrund eines Jobverlustes durchgemacht hat, wird automatisch ängstlicher und skeptischer, was die Zukunft anbelangt.

Zukunftsängste entstehen häufig an bedeutenden Schnittstellen im Leben. Das kann das Abitur sein, wenn sozusagen „der Ernst des Lebens“ beginnt oder auch das Studium, während dessen sich der eine oder andere Sorgen macht, ob er mit dem Abschluss beruflich Fuß fassen kann. Schwerwiegende Lebenseinschnitte wie eine Scheidung, eine Trennung oder der Tod der Eltern und das daraus resultierende Gefühl, nun für sich ganz allein sorgen zu müssen, können ebenfalls Ängste auslösen.

Nicht immer sind es negative Ereignisse, die unseren Blick in die Zukunft verändern. So berichten beispielsweise viele frischgebackene Eltern, dass die langersehnte Geburt des ersten Kindes nicht ausschließlich positive Emotionen und Gedanken zur Folge hatte. Fragen wie „Bin ich der Verantwortung gewachsen?“, „Bin ich in der Lage, mein Kind die nächsten 18 Jahre oder länger immer gut zu versorgen?“ oder „Wie wird die Welt aussehen, in der mein Kind leben wird?“ beschäftigen viele junge Eltern und können zu massiven Ängsten und Sorgen führen.

Generalisierte Angststörung

Für Menschen, die bereits an einer generalisierten Angststörung leiden, ist diese Erkrankung fast immer auch mit Zukunftsängsten verbunden. Eine generalisierte Angststörung ist durch ein permanentes Gefühl von Angst, Sorge und Anspannung hinsichtlich den Herausforderungen des Alltags gekennzeichnet. Betroffene haben ständig Angst vor Dingen, die möglicherweise ihr Wohlbefinden oder gar ihre Existenz bedrohen könnten. Dazu gehört die Angst vor Verlust des Arbeitsplatzes, die Angst vor einer schweren Erkrankung oder dem Tod eines Angehörigen oder auch die Angst vor einem schlimmen Ereignis wie z.B. Opfer eines Verbrechens zu werden oder in eine Kriegs- oder Terrorhandlung hineingezogen zu werden. Die Definition einer generalisierten Angststörung ist also selbsterklärend dafür, dass Betroffene unter Zukunftsängsten leiden.

Negative Nachrichten

Man schlägt die Zeitung auf oder schaltet die Tagesschau ein – und es wird einem angst und bange. Kein Wunder – jagt doch eine Horrormeldung die nächste. Man gewinnt den Eindruck, die Welt bestünde nur noch aus Kriegen, Umweltkatastrophen, Terroranschlägen und Flüchtlingskrisen. Wer soll da noch hoffnungsfroh in die Zukunft blicken?

Fakt ist jedoch, dass Medien vor allem eins wollen – Geld verdienen. Und dazu benötigen sie die Aufmerksamkeit möglichst vieler Menschen. Und diese erlangt man nun einmal wesentlich leichter mit Schreckens- als mit Alltagsmeldungen. Stellen Sie sich vor, Sie lesen eine Woche lang Folgendes in der Zeitung: Gestern ist nichts Außergewöhnliches passiert. Alles ging seinen gewohnten, alltäglichen Gang. Ganz ehrlich – würden Sie sich diese Zeitung nach einer Woche noch kaufen? Wahrscheinlich eher nicht, oder? Medien leben von Schlagzeilen, nicht von alltäglichen Dingen. Ergo – wir erfahren über die Medien – natürlich – wenn es irgendwo einen Terroranschlag gibt oder wenn ein Flugzeug verunglückt. Von den vielen Tagen, die ohne Terroranschlag vergehen und den vielen Flügen, die Tag für Tag sicher ihr Ziel erreichen, erfahren wir nichts. Denn das ist ja die Normalität und daher nicht erwähnenswert. Deshalb entsteht der – falsche – Eindruck, die Welt ist nur noch schlecht, und es passieren nur noch Katastrophen.

Wie äußern sich Zukunftsängste?

Wie alle anderen Ängste auch, kann die Zukunftsangst in verschiedenen Intensitäten und Ausprägungen auftreten. Sie kann von vereinzelten schlaflosen Nächten bis hin zu einer dauerhaften Angststörung oft in Zusammenhang mit Depressionen auftreten. An folgenden Anzeichen erkennen Sie, ob Sie an Zukunftsangst leiden:

  • Sie gehen immer vom Schlimmsten (= worst case scenario) aus.
  • Sie fühlen sich nicht in der Lage, ihre Zukunft zu planen und mögliche Probleme zu lösen.
  • Sie grübeln oft stundenlang über mögliche Horrorszenarien in der Zukunft nach.
  • Sie haben Schlafprobleme.
  • Sie fühlen sich hilflos.
  • Sie können die Gegenwart nicht genießen.
  • Sie vermeiden, über die Zukunft zu reden.
  • Sie leiden unter Herzrasen und Panikattacken.

Betroffene können durch eine dauerhafte Angst vor der Zukunft ernsthaften Schaden nehmen. Diese Symptome sollten also unbedingt ernst genommen werden, denn nur so können Sie das Problem angehen und beseitigen.

Warum Zukunftsangst uns schadet

Zukunftsangst verdirbt nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart, weil sie lähmt und uns mit der Zeit jegliche Lebensfreude raubt. Menschen, die an Zukunftsängsten leiden, werden auf Dauer unzufrieden und unglücklich sein und sich über gar nichts mehr freuen können.

Viele Betroffene sind nicht mehr in der Lage, ihre Ziele zu verfolgen, denn „es wird ja doch wieder nichts werden“. Wer unter Zukunftsangst leidet, steht sich in vielen Dingen selbst im Weg. Und nicht selten werden nach dem Gesetz der self-fulfilling prophecy die schlimmsten Befürchtungen sogar wahr.

In besonders schweren Fällen können Zukunftsängste in eine ernsthafte psychische Erkrankung wie Depressionen münden.

Zukunftsangst – so überwinden Sie sie!

Auch wenn Sie Ihre Ängste vielleicht schon jahre- oder gar jahrzehntelang mit sich herumschleppen – Sie müssen sich nicht mit Ihrem Schicksal abfinden, sondern können eine Menge dagegen unternehmen. Mit diesen Tipps können Sie es schaffen, Ihre Zukunftsängste zu überwinden.

Arbeiten Sie an Ihrem Selbstbewusstsein

Wie weiter oben beschrieben, ist ein schwach entwickeltes Selbstvertrauen eine häufige Ursache für Zukunftsängste. Je größer Ihr Selbstvertrauen, umso geringer Ihre Angst. Sie können an Ihrem Selbstbewusstsein arbeiten – indem Sie sich immer wieder vor Augen führen, wo Ihre Stärken liegen und welche Schwierigkeiten Sie bereits gemeistert haben. So wird sich nach und nach Vertrauen einstellen, dass Sie auch in Zukunft alles schaffen können.

Sehen Sie die Ängste in der richtigen Relation

Wem die Zukunft Angst macht, der sieht alles schwarz und glaubt immer an den schlechtmöglichsten Ausgang. Versuchen Sie, den Blick auf Ihre Ängste zu verändern. Wie oft waren Sie schon in einen Autounfall entwickelt? Wie oft waren Sie dagegen mit dem Auto unterwegs, ohne dass etwas passiert ist? Sie werden sehen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Schlimmes passiert, im Vergleich zur Wahrscheinlichkeit, dass alles seinen alltäglichen geregelten Gang geht, verschwindend gering ist.

Und was ist, wenn „worst case“ tatsächlich eintritt? Wenn Sie z.B. Angst vor einer Prüfung oder einem Bewerbungsgespräch haben und es tatsächlich schiefgeht? Ist das wirklich ein Weltuntergang? Ganz sicher nicht, denn ganz sicher werden Sie die Prüfung im zweiten Anlauf bestehen, und es wartet irgendwo ein viel besserer Job auf Sie!

Leben Sie im Hier und Jetzt

Anstatt ständig über die Zukunft und mögliche Szenarien zu grübeln, konzentrieren Sie sich auf die Gegenwart! Sie leben HEUTE und nicht nächste Woche und auch nicht nächstes Jahr. Lenken Sie sich von Grübeleien ab mit sinnvollen Beschäftigungen und Dingen, die Sie mit Freude erfüllen.

Suchen Sie sich Vertraute

Zukunftsangst kann im schlimmsten Fall zu Isolation führen. Suchen Sie sich deshalb Vertraute, mit denen Sie über die Situation reden können. Dies kann nicht nur eine enorme Erleichterung sein, da es jemanden gibt, der Ihnen zuhört und die Angst vielleicht teilweise nehmen kann – solche Gespräche können Ihnen auch zeigen, dass Sie mit Ihren Ängsten nicht allein sind, mit der Situation aber möglicherweise falsch umgehen.

Suchen Sie sich professionelle Hilfe

Auch wenn es nicht leicht fällt – aber wenn es nicht anders geht, sollten Sie sich in die Hände eines erfahrenen und qualifizierten Psychologen begeben. Denn die permanente Angst kann nicht nur zu dauerhaften psychischen Schäden führen, sondern auch Ihre Lebensqualität entscheidend einschränken.

Unabhängig von der Intensität Ihrer Zukunftsängste sollten Sie bald beginnen, sich mit diesem Gefühl zu konfrontieren und es zu verstehen. Denn es ist Ihre Lebenszeit die Sie im besten Fall angstfrei und zufrieden verbringen sollten.

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