Wie Psychotherapie wirkt & hilft

Psychotherapie

Wie Psychotherapie bei seelischen Belastungen hilft – Bild: © apops – Fotolia.com

Wenn Sie krank sind, das heißt eine Erkältung oder Magenverstimmung haben, gehen Sie ohne Umschweife zum Arzt und lassen sich behandeln. Über seelische Probleme wie Ängste, Depression, Verhaltensstörungen, Süchte oder ganz allgemeine alltägliche Schwierigkeiten wird jedoch häufig nicht gesprochen, geschweige denn sucht sich jeder Mensch, der darunter leidet, Hilfe. Psychotherapie ist die Behandlung dieser seelischen Probleme. Hier erfahren Sie, wann Sie eine Psychotherapie in Anspruch nehmen sollten, welche Möglichkeiten Ihnen hierbei zur Verfügung stehen und wie Sie einen geeigneten Psychotherapeuten finden. Außerdem erfahren Sie hier mehr über die generelle Wirkweise der Psychotherapie und die verschiedenen Therapierichtungen.

Wann benötigt man Psychotherapie?

Eine Psychotherapie ist eigentlich immer dann ratsam, wenn Sie mit einem seelischen Problem zu kämpfen haben, das Sie allein nicht lösen können. Doch auch begleitende Psychotherapie bei körperlichen Erkrankungen wird immer häufiger eingesetzt. Bei Ängsten, Zwängen, Verhaltensstörungen, Süchten und Depressionen ist eine Psychotherapie meist unumgänglich, doch auch alltäglichere Probleme – wenn Sie zum Beispiel in einer schwierigen Trennung stecken, mit einem beruflichen Neuanfang zu kämpfen haben, unter familiären Problemen leiden oder viel Stress ausgesetzt sind, können mit Hilfe einer Psychotherapie besser überwunden werden.

Welche Therapieform ist die richtige?

In der Psychotherapie gibt es zahlreiche Strömungen, Formen und Unterformen, sodass es nicht leicht ist, den richtigen Therapieansatz zu finden und das Ausprobieren verschiedener Maßnahmen eingeplant werden sollte. Grob kann man die Psychotherapie in drei Arten einteilen: Die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Psychoanalyse oder Analytische Psychotherapie. Dies sind auch die einzigen Therapieansätze, die von der Krankenkasse getragen werden. Die drei Arten der Therapie unterscheiden sich in der zugrundeliegenden Theorie und Durchführung.

1. Verhaltenstherapie

Wie der Name schon sagt, steht im Mittelpunkt dieser Therapieform das Verhalten des Patienten. Diesem sollen die Werkzeuge zur Selbsthilfe in die Hand gelegt werden. Während natürlich auch die Ursache der Probleme festgestellt werden muss, gilt es im nächsten Schritt jedoch vor allem Methoden zu entwickeln, bestimmte Verhaltensweisen, die zum zu behandelnden Problem führen, in Zukunft zu vermeiden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Annahme, dass Verhaltensweisen erlernt und auch verlernt oder umgelenkt werden können. Verhaltenstherapie ist somit stark auf die Gegenwart und Handlungen fokussiert. Verhaltenstherapie kommt daher vor allem zur Therapie von Süchten oder Zwängen zum Einsatz. Damit Symptome nicht lediglich kompensiert werden, ist es jedoch wichtig, trotzdem eine genau Analyse des zugrundeliegenden Problems vorzunehmen.

2. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist an das Grundkonzept der Psychoanalyse, die sich mit dem Unbewussten als Motor unserer Handlungen und Ursache unserer Probleme auseinandersetzt, angelehnt. Ein großer Unterschied liegt jedoch daran, dass die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie die Aufmerksamkeit dennoch auf die Gegenwart, im Gegensatz zu eventuellen Prägungen und Traumata in der Vergangenheit, und eine Verbesserung der akuten Situation lenkt. Im Gegensatz zur Verhaltenstherapie soll eine Lösung des Problems und Zustandsverbesserung jedoch vor allem durch das tiefe Verständnis dessen Ursachen erreicht werden. Eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird in der Regel einmal in der Woche durchgeführt und hat zunächst eine begrenzte Anzahl von Therapiestunden. In dieser Zeit wird vom Patient und Therapeuten gemeinsam eine bestimmte Zielsetzung vorgenommen.

3. Analytische Psychotherapie

Die Analytische Psychotherapie basiert auf der von Sigmund Freud begründeten Psychoanalyse, die Anwendung in zahlreichen wissenschaftlichen, kulturellen und praktischen Bereichen findet. Die Analytische Psychotherapie legt ihren Fokus vor allem auf die Einsicht des Patienten. Dieser soll ein tiefes Verständnis für die Gründe seiner Probleme, Gefühle, Entscheidungen und Verhalten erlangen. Dabei spielen vor allem die Vergangenheit und das Unbewusste des Patienten eine Rolle. Durch die tiefe Einsicht soll auf lange Sicht eine Verbesserung und Umstrukturierung von Persönlichkeit und Gefühlen erreicht werden. Eine Psychoanalyse findet daher auch über Jahre hinweg drei- bis zu fünfmal die Woche statt. Die Therapie besteht dabei meist vor allem aus dem freien Assoziieren des Patienten und den darauf basierenden Deutungen des Psychoanalytikers.

Die Wirkweise von Psychotherapie

Ganz gleich, für welche Therapieform Sie sich entscheiden – ein entscheidender Faktor für die Wirkung der Therapie ist, dass Sie an den Therapieerfolg glauben und die in der Therapie gewonnenen Einsichten und Hilfen im Alltag versuchen umzusetzen. Darüber hinaus sollte die Chemie zwischen Ihnen und Ihrem Therapeuten stimmen, denn diese Beziehung ist sogar wichtiger für den Therapieerfolg als die gewählte Methode. Geben Sie sich also die Möglichkeit, mitunter mehrere Therapeuten „auszuprobieren“ und vertrauen Sie auf Ihr Gefühl.

So finden Sie den richtigen Therapeuten

Psychotherapeuten finden Sie unter anderem in den Gelben Seiten, in Informationen Ihrer Krankenkasse oder auf den Seiten des Psychotherapie-Informations-Dienst (PID). In Österreich finden Sie Psychotherapeuten beim Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) und in der Schweiz bei der Assoziation Schweizer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (ASP). Auch Ihr Hausarzt kann Ihnen mitunter einige Namen nennen. Wichtig ist, dass der Psychotherapeut den offiziellen Titel des „Psychologischen Psychotherapeut“ oder „Psychotherapeut“ führt, denn nur dann wird die Therapie von den Krankenkassen bezahlt. Auch andere Therapieformen, zum Beispiel durch einen Heilpraktiker können mitunter wirksam sein, müssen jedoch aus eigener Tasche gezahlt werden.

Oftmals kann es auch hilfreich sein, vorerst eine psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen. Hier können Sie schnell abklären, um welche Thematiken es sich bei Ihnen handelt und welche Art von Psychotherapie für Sie die beste wäre. Wenn Sie das Gefühl haben, Psychotherapie zu benötigen, sollten Sie dieses auch ernst nehmen. Informieren Sie sich gleich heute noch!


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